Leben
Parmenides stammte aus Elea, einer griechischen Siedlung an Süditaliens Küste, die unter ihrem römischen Namen Velia bekannt ist. Sein Leben erinnert daran, dass die antike griechische Kultur weit über die Grenzen des heutigen Griechenlands hinausreichte. Er wirkte im frühen fünften Jahrhundert v. Chr. Als Geburtsjahr wird häufig etwa 515 vorgeschlagen, doch antike Berichte ergeben unterschiedliche Zeitrechnungen. Sein Tod lässt sich nicht sicher datieren; eine genaue Lebensspanne würde falsche Sicherheit vermitteln.
Platon machte ihn später zur Figur im Dialog Παρμενίδης (Parmenides), in dem ein alter Philosoph dem jungen Sokrates begegnet. Das ist ein philosophisches Drama, kein Gesprächsprotokoll oder verlässliches Reisetagebuch. Es erklärt die verbreitete Geburtsdatierung, klärt aber nicht jede biografische Frage. Zenon von Elea ist in der antiken Überlieferung eng mit Parmenides verbunden. Berichte bringen Parmenides auch mit Gesetzen für seine Heimatstadt in Verbindung, doch Einzelheiten fehlen weitgehend.
Wir kennen ihn hauptsächlich durch sein Gedicht, das als Zitate späterer Autoren statt als vollständige Handschrift überliefert ist. Sextus Empiricus und Simplikios sind besonders wichtige Zeugen. Ihre Interessen beeinflussten die Auswahl der abgeschriebenen Stellen. Diesen Philosophen zu erschließen bedeutet daher, Fragmente sorgfältig zu lesen und spätere Berichte von seinen erhaltenen Worten zu unterscheiden.
Werk

Das Gedicht heißt gewöhnlich Περὶ φύσεως (Über die Natur), doch dieser Titel entstand wahrscheinlich später. Seine epischen Hexameter verbinden anschauliches Erzählen mit fortlaufender Argumentation. Zu Beginn fährt ein junger Reisender im Wagen zu einer Göttin, die ihm Unterweisung verspricht. Diese Reise gehört zum Gedicht und darf nicht zur Erzählung tatsächlicher Reisen des Autors werden. Anschließend fragt die Göttin, welche Wege der Untersuchung zur Erkenntnis führen können.
Ihr Argument über das, was ist, stellt Erklärungen infrage, nach denen es aus nichts entsteht oder ins Nichts verschwindet. Fragment 8 beschreibt es als ungeworden, unvergänglich, zusammenhängend und unbewegt. Solche Aussagen machten Sein, Denken und Erklären zu zentralen philosophischen Problemen. Der geläufige Satz, Parmenides habe einfach alles Sichtbare geleugnet, greift jedoch zu kurz: Forschende streiten über die Reichweite seiner Aussagen und ihren Bezug zum übrigen Gedicht.
Die folgende kosmologische Darstellung behandelt Licht und Nacht, Himmel und Lebewesen. Erhaltene Verse beschreiben das geliehene Licht des Mondes und seine Beziehung zur Sonne. Argumente über eine beständige Wirklichkeit stehen somit neben einer Erklärung der veränderlichen Natur. Die folgenden Einträge sind Themen dieses einen Werks, in der Reihenfolge des Gedichts, keine vier einzelnen Bücher. Das genaue Entstehungsdatum ist unbekannt.
Nachwirkung im heutigen Griechenland
Wer heute in Griechenland Griechisch lernt, findet bei Parmenides einen Zugang zum philosophischen Wortschatz: αλήθεια, Wahrheit, γνώμη, Meinung, und είναι, Sein. Diese alltäglich wirkenden Wörter tragen weiterhin diskutierte Fragen. Elea erweitert außerdem die Karte griechischer Kultur um Süditalien.
Beginnen Sie mit dem kurzen neugriechischen Text hier und vergleichen Sie das antike Zitat mit seiner modernen Wiedergabe. Beachten Sie, wie λόγῳ zu einem Ausdruck für vernünftiges Denken wird, statt bloß ein gesprochenes Wort zu bezeichnen. Lesen Sie anschließend über Platon und unterscheiden Sie den historischen Dichter von der späteren Dialogfigur. Versuchen Sie zuletzt eine Frage auf Griechisch zu erklären: Kann etwas aus nichts entstehen? Sie müssen sie nicht lösen, um klares Denken und sorgfältige Sprache zu üben.
Wussten Sie schon?
- Sein einziges bekanntes Werk war ein Gedicht, keine Sammlung philosophischer Dialoge.
- Die Wagenreise ist eine Szene im Gedicht, kein Beleg für eine wirkliche Expedition.
- Der Mond erhält im Gedicht sein Licht von anderswo: von der Sonne.
Hauptwerke
| Griechischer Titel | Titel | Jahr |
|---|---|---|
| Το προοίμιο | Das Proömium (Thema des Gedichts) | early 5th c. BC (approx.) |
| Οι δρόμοι της έρευνας | Wege der Untersuchung (Thema des Gedichts) | early 5th c. BC (approx.) |
| Τα γνωρίσματα του όντος | Eigenschaften dessen, was ist (Thema des Gedichts) | early 5th c. BC (approx.) |
| Φως, νύχτα και ουρανός | Licht, Nacht und Himmel (Thema des Gedichts) | early 5th c. BC (approx.) |
Ein Satz zum Merken
κρῖναι δὲ λόγῳ πολύδηριν ἔλεγχον ἐξ ἐμέθεν ῥηθέντα.
Im heutigen GriechischΚρίνε όμως με τη λογική το πολυσυζητημένο επιχείρημα που σου παρουσίασα.
krînai dè lógōi polýdērin élenchon / ex eméthen rhēthénta.
Doch prüfe durch vernünftiges Denken das vielumstrittene Argument, das ich vorgetragen habe.
















































































































