Leben
Seferis kam als Giorgos Seferiadis am 29. Februar 1900 (13. März nach gregorianischem Kalender) in Vourla zur Welt, dem heutigen Urla, einer Kleinstadt bei Smyrna an der Küste Kleinasiens. Sein Vater, Stelios Seferiadis, war Rechtsanwalt und später Professor für Völkerrecht in Athen. 1914 zog die Familie nach Athen, und 1918 ging Giorgos zum Jurastudium nach Paris. Während er dort war, wurde 1922 das griechische Heer in Kleinasien geschlagen, und Smyrna brannte. Die griechische Welt seiner Kindheit wurde ausgelöscht, und diese verlorene Heimat zieht sich leise durch seine ganze Dichtung.
1926 trat er in das griechische Außenministerium ein. In den folgenden sechsunddreißig Jahren diente er in London, im albanischen Korça, in Pretoria, Kairo und Ankara und folgte im Zweiten Weltkrieg der griechischen Exilregierung nach Ägypten und Südafrika. Sein letzter Posten war der höchste: Botschafter in London von 1957 bis 1962, während der schwierigen Verhandlungen über Zypern. 1963 verlieh ihm die Schwedische Akademie den Nobelpreis für Literatur, den ersten überhaupt für einen griechischen Schriftsteller.
Im Ruhestand in Athen weigerte er sich, unter der Militärjunta, die 1967 die Macht ergriff, zu schweigen. Am 28. März 1969 veröffentlichte er eine von der BBC gesendete Erklärung gegen die Diktatur, in der er sagte, er sehe den Abgrund, auf den das Regime das Land zuführe. Er starb am 20. September 1971 in Athen. Seine Beerdigung wurde zu einer der ersten Massenkundgebungen gegen das Regime: Tausende folgten dem Sarg und sangen Άρνηση.
Werk
Seferis veröffentlichte wenig und feilte an allem. Sein erster Gedichtband, Στροφή (Wendepunkt, 1931), kündigte nach den gereimten Versen der vorigen Generation eine neue, karge Stimme an. Μυθιστόρημα (Mythistorema, 1935), sein bekanntestes Buch, ist eine Folge von vierundzwanzig kurzen Gedichten, in denen Gestalten aus Homer und den Tragikern müde und heimatlos durch die moderne griechische Landschaft wandern, auf der Suche nach einem verlorenen Sinn: «Ξύπνησα με το μαρμάρινο τούτο κεφάλι στα χέρια» (Ich erwachte mit diesem marmornen Kopf in den Händen). Antike Steine, das Meer, Schiffe und Statuen sind seine wiederkehrenden Bilder; der Ton ist leise und melancholisch, nie laut.
Die drei Bände von Ημερολόγιο Καταστρώματος (Logbuch, 1940, 1944 und 1955) begleiten die Kriegsjahre und seine Reisen; der dritte ist Zypern gewidmet. Κίχλη (Drossel, 1947), benannt nach einem gesunkenen Schiff, das er vor der Insel Poros sah, ist sein anspruchsvollstes langes Gedicht, eine Meditation über Licht, Gerechtigkeit und Tod. Τρία κρυφά ποιήματα (Drei geheime Gedichte, 1966) war sein letzter Gedichtband. Er schrieb auch Essays (Δοκιμές), übersetzte T. S. Eliots Das wüste Land als Η Έρημη Χώρα (1936) ins Griechische und führte fast sein ganzes Leben lang ein Tagebuch, das nach seinem Tod als Μέρες (Tage) erschien und das viele Leser ebenso lieben wie die Gedichte. Die Nobel-Begründung lobte sein lyrisches Schreiben, inspiriert von einem tiefen Gefühl für die hellenische Kulturwelt.
Nachwirkung im heutigen Griechenland
Hören Sie zuerst Άρνηση (Verweigerung) aus Theodorakis' Liederzyklus Επιφάνια von 1961: Griechen jeden Alters singen es bei Tisch und auf Demonstrationen, oft ohne an ein Gedicht zu denken. Gedichte wie Ελένη (Helena), Ο βασιλιάς της Ασίνης (Der König von Asine) und Επί ασπαλάθων (Über Ginster), sein letztes Gedicht, 1971 als Protest gegen die Junta veröffentlicht, werden an griechischen Gymnasien gelesen. In Athen können Sie sein Haus in der Agras-Straße 20 in Pangrati besuchen, gleich unterhalb des Panathenäischen Stadions, und sein Grab auf dem Ersten Friedhof. Sein Geburtshaus steht noch in Urla in der Türkei. Straßen mit dem Namen Σεφέρη gibt es in fast jeder griechischen Stadt, und sein Vers «Όπου και να ταξιδέψω η Ελλάδα με πληγώνει» (Wohin ich auch reise, Griechenland verwundet mich) wird zitiert, wann immer Griechen über ihr Land streiten.
Wussten Sie schon?
- Er wurde am 29. Februar 1900 geboren, einem Datum, das es nur in Schaltjahren gibt, und hatte daher nur alle vier Jahre einen echten Geburtstag.
- Im Zweiten Weltkrieg folgte er der griechischen Exilregierung von Kreta nach Ägypten und Südafrika und schrieb Gedichte in Pretoria und Kairo.
- Seine Übersetzung von T. S. Eliots Das wüste Land (1936) erschien ein Jahr nach Μυθιστόρημα; Eliots Einfluss auf dieses Buch ist deutlich, und die beiden Dichter trafen sich später in London.
- Bei seiner Beerdigung 1971 sang die Menge Άρνηση zur Musik von Theodorakis, einem Komponisten, dessen Werk die Junta verboten hatte.
Hauptwerke
| Griechischer Titel | Titel | Jahr |
|---|---|---|
| Στροφή | Wendepunkt | 1931 |
| Μυθιστόρημα | Mythistorema | 1935 |
| Ημερολόγιο Καταστρώματος Α΄ | Logbuch I | 1940 |
| Κίχλη | Drossel | 1947 |
| Ημερολόγιο Καταστρώματος Γ΄ | Logbuch III | 1955 |
| Τρία κρυφά ποιήματα | Drei geheime Gedichte | 1966 |
Ein Satz zum Merken
Όπου και να ταξιδέψω η Ελλάδα με πληγώνει.
Opou kai na taxidepso i Ellada me pligonei.
Wohin ich auch reise, Griechenland verwundet mich.