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Aristoteles
After Lysippos · Public domain · Wikimedia Commons

C2Antike · Philosoph

Aristoteles

Αριστοτέλης

384 BC – 322 BC · Stagira (Chalkidiki); Athen (das Lykeion); Chalkis

Aristoteles (Αριστοτέλης, 384–322 v. Chr.), geboren in Stagira auf der Chalkidiki, studierte zwanzig Jahre bei Platon, unterrichtete den jungen Alexander und gründete in Athen seine eigene Schule, das Lykeion. Seine erhaltenen Vorlesungen behandeln Logik, Physik, Biologie, die Seele, Ethik, Politik, Rhetorik und Dichtung, und zweitausend Jahre lang war er auf Griechisch, Arabisch und Latein schlicht «der Philosoph». Das Neugriechische denkt noch immer mit seinen Wörtern: ουσία, ενέργεια, κατηγορία, πολιτικόν ζώον.

Leben

Aristoteles wurde 384 v. Chr. in Stagira geboren, einer kleinen ionischen Kolonie an der Ostküste der Chalkidiki. Sein Vater Nikomachos war Leibarzt König Amyntas' III. von Makedonien, was sowohl das lebenslange Interesse des Sohnes an Lebewesen als auch seine Verbindung zum makedonischen Hof erklären mag. Früh verwaist, wurde er mit siebzehn nach Athen an Platons Akademie geschickt und blieb dort zwanzig Jahre als Schüler und Lehrer. Als Platon 347 v. Chr. starb und die Akademie an dessen Neffen Speusippos überging, verließ Aristoteles Athen.

Die folgenden Jahre verbrachte er in Kleinasien und auf Lesbos: in Assos am Hof des Herrschers Hermias, dessen Nichte Pythias er heiratete, und in Mytilene, wo er mit seinem Schüler Theophrast die Fische, Vögel und Muscheln der Lagune von Kalloni erforschte. 343 v. Chr. rief ihn Philipp II. von Makedonien nach Mieza, um seinen dreizehnjährigen Sohn Alexander zu erziehen; der Unterricht dauerte etwa drei Jahre, und der Schüler schickte seinem Lehrer später Präparate aus Asien.

335 v. Chr. kehrte Aristoteles nach Athen zurück und eröffnete im Hain des Apollon Lykeios eine Schule, das Lykeion, wo er im Gehen unter der überdachten Säulenhalle lehrte, dem περίπατος, der seinen Anhängern den Namen Peripatetiker gab; dort trug er eine Bibliothek, Karten und Sammlungen zusammen. Als Alexander 323 v. Chr. starb und eine antimakedonische Stimmung Athen erfasste, wurde Aristoteles wie einst Sokrates der Gottlosigkeit angeklagt und zog sich auf das Gut seiner Mutter in Chalkis auf Euböa zurück, angeblich mit den Worten, er wolle die Athener nicht ein zweites Mal an der Philosophie freveln lassen. Dort starb er 322 v. Chr. im Alter von 62 Jahren.

Werk

Was von Aristoteles erhalten ist, rund dreißig Werke, sind die Vorlesungen des Lykeions, knapp und ungeschliffen, um 60 v. Chr. von Andronikos von Rhodos herausgegeben; die eleganten Dialoge, die er zu Lebzeiten veröffentlichte, sind verloren. Das Όργανον (Organon, «das Werkzeug») begründete die Logik: den Syllogismus, die Kategorien, die Regeln des gültigen Schließens, die bis ins neunzehnte Jahrhundert unverändert gelehrt wurden. Die Φυσικά (Physik) und die Μετά τα Φυσικά (Metaphysik), benannt schlicht nach ihrem Platz «nach den physikalischen Schriften» in der Ausgabe, untersuchen Veränderung, Ursache und Sein, mit den vier Ursachen, Stoff und Form, Möglichkeit und Wirklichkeit und dem unbewegten Beweger; ihr erster Satz, dass alle Menschen von Natur aus nach Wissen streben, ist der berühmteste Anfang der Philosophie.

Die Ηθικά Νικομάχεια (Nikomachische Ethik), seinem Sohn gewidmet, bestimmt das Glück, die ευδαιμονία, als ein tätiges Leben gemäß der Tugend, und die Tugend als Mitte zwischen zwei Extremen, die Tapferkeit zwischen Feigheit und Tollkühnheit. Die Πολιτικά (Politik) geht von der These aus, dass der Mensch von Natur ein politisches Lebewesen ist, stützt sich auf die Sammlung von 158 Verfassungen der Schule und verteidigt die gemischte Verfassung der Mittelschicht. Die Περί Ποιητικής (Poetik) ist die erste Literaturtheorie: Die Tragödie ist die Nachahmung einer ernsten Handlung, die durch Mitleid und Furcht die κάθαρσις solcher Affekte bewirkt, ein Satz, um den seither gestritten wird. Um diese gruppieren sich die Ρητορική (Rhetorik), Περί Ψυχής (Über die Seele) und die großen biologischen Werke, allen voran die Περί τα ζώα ιστορίαι (Tierkunde), die rund fünfhundert Arten beschreiben und Aristoteles, mit Darwins Worten, zum Meister aller Naturforscher machen.

Nachwirkung im heutigen Griechenland

Aristoteles ist in Griechenland so gegenwärtig wie wenige antike Denker. Der zentrale Platz von Thessaloniki und seine Universität, das Αριστοτέλειο Πανεπιστήμιο, gegründet 1925, tragen seinen Namen; das Dorf Stagira auf der Chalkidiki hat einen Aristoteles-Park mit funktionierenden Modellen seiner physikalischen Versuche, und die ausgegrabenen Ruinen des antiken Stagira liegen am Meer bei Olympiada. In Athen ist das 1996 hinter dem Byzantinischen Museum entdeckte Gelände des Lykeions seit 2014 für Besucher geöffnet: eine Palästra und die Umrisse der Wandelgänge, in denen er lehrte. Gymnasiasten lesen im letzten Schuljahr die Nikomachische Ethik und die Politik im Original, und seine Wortprägungen sind neugriechischer Alltag: πολιτικόν ζώον, η χρυσή μεσότης, κάθαρση, ενέργεια, κατηγορία, ουσία. Seinen 2400. Geburtstag feierte die UNESCO 2016 weltweit.

Wussten Sie schon?

  • Das Wort «Metaphysik» bedeutet nichts anderes als «die Bücher nach der Physik» in der antiken Ausgabe seiner Werke.
  • Er erforschte Meerestiere in der Lagune von Kalloni auf Lesbos und beschrieb die Fortpflanzung des Dornhais und des Kraken richtig, Beobachtungen, die erst im neunzehnten Jahrhundert bestätigt wurden.
  • Seine Schule hieß nach dem Heiligtum des Apollon Lykeios, in dem sie lag, und «Lyzeum», λύκειο, ist heute im Griechischen und vielen anderen Sprachen das Wort für die gymnasiale Oberstufe.
  • Die Überreste des Lykeions wurden 1996 im Zentrum Athens bei Bauarbeiten für ein neues Museum gefunden, und das Gelände ist seit 2014 öffentlich zugänglich.

Hauptwerke

Griechischer TitelTitelJahr
ΌργανονOrganon, die logischen Schriftenc. 350–322 BC
ΦυσικάPhysikc. 350–322 BC
Μετά τα ΦυσικάMetaphysikc. 350–322 BC
Ηθικά ΝικομάχειαNikomachische Ethikc. 335–322 BC
ΠολιτικάPolitikc. 335–322 BC
Περί ΠοιητικήςPoetikc. 335–322 BC

Ein Satz zum Merken

Πάντες ἄνθρωποι τοῦ εἰδέναι ὀρέγονται φύσει.

Im heutigen GriechischΌλοι οι άνθρωποι από τη φύση τους επιθυμούν τη γνώση.

Pantes anthropoi tou eidenai oregontai fysei.

Alle Menschen streben von Natur aus nach Wissen.

Μετά τα Φυσικά (Metaphysics) Α 1, 980a, opening sentence

Im Original

Der Text, wie Aristoteles ihn geschrieben hat, gemeinfrei, mit unserer eigenen Übersetzung daneben.

«Μετὰ τὰ φυσικά»Metaphysik

Der Anfang der Metaphysik: Von der Freude, die wir schon am bloßen Sehen haben, steigt Aristoteles Schritt für Schritt über Gedächtnis und Erfahrung zu Kunst und Wissen auf. Ihr erster Satz ist der, der auf dieser Seite zitiert wird.

πάντες ἄνθρωποι τοῦ εἰδέναι ὀρέγονται φύσει. σημεῖον δ᾽ ἡ τῶν αἰσθήσεων ἀγάπησις· καὶ γὰρ χωρὶς τῆς χρείας ἀγαπῶνται δι᾽ αὑτάς, καὶ μάλιστα τῶν ἄλλων ἡ διὰ τῶν ὀμμάτων. οὐ γὰρ μόνον ἵνα πράττωμεν ἀλλὰ καὶ μηθὲν μέλλοντες πράττειν τὸ ὁρᾶν αἱρούμεθα ἀντὶ πάντων ὡς εἰπεῖν τῶν ἄλλων. αἴτιον δ᾽ ὅτι μάλιστα ποιεῖ γνωρίζειν ἡμᾶς αὕτη τῶν αἰσθήσεων καὶ πολλὰς δηλοῖ διαφοράς. φύσει μὲν οὖν αἴσθησιν ἔχοντα γίγνεται τὰ ζῷα, ἐκ δὲ ταύτης τοῖς μὲν αὐτῶν οὐκ ἐγγίγνεται μνήμη, τοῖς δ᾽ ἐγγίγνεται. καὶ διὰ τοῦτο ταῦτα φρονιμώτερα καὶ μαθητικώτερα τῶν μὴ δυναμένων μνημονεύειν ἐστί, φρόνιμα μὲν ἄνευ τοῦ μανθάνειν ὅσα μὴ δύναται τῶν ψόφων ἀκούειν (οἷον μέλιττα κἂν εἴ τι τοιοῦτον ἄλλο γένος ζῴων ἔστι), μανθάνει δ᾽ ὅσα πρὸς τῇ μνήμῃ καὶ ταύτην ἔχει τὴν αἴσθησιν. τὰ μὲν οὖν ἄλλα ταῖς φαντασίαις ζῇ καὶ ταῖς μνήμαις, ἐμπειρίας δὲ μετέχει μικρόν· τὸ δὲ τῶν ἀνθρώπων γένος καὶ τέχνῃ καὶ λογισμοῖς. γίγνεται δ᾽ ἐκ τῆς μνήμης ἐμπειρία τοῖς ἀνθρώποις· αἱ γὰρ πολλαὶ μνῆμαι τοῦ αὐτοῦ πράγματος μιᾶς ἐμπειρίας δύναμιν ἀποτελοῦσιν.Alle Menschen streben von Natur aus nach Wissen. Ein Zeichen dafür ist die Liebe zu den Sinneswahrnehmungen: Denn auch abgesehen von ihrem Nutzen lieben wir sie um ihrer selbst willen, und vor allen anderen den Gesichtssinn. Nicht nur, um zu handeln, sondern auch, wenn wir nichts zu tun vorhaben, ziehen wir das Sehen sozusagen allem anderen vor. Der Grund ist, dass dieser Sinn uns am meisten erkennen lässt und viele Unterschiede offenbart. Die Tiere nun entstehen von Natur aus mit Wahrnehmung begabt; aus der Wahrnehmung aber erwächst bei den einen kein Gedächtnis, bei den anderen schon. Und deshalb sind diese verständiger und gelehriger als jene, die sich nicht erinnern können: verständig ohne zu lernen sind diejenigen, die keine Töne hören können – wie die Biene und jede andere derartige Tierart, falls es eine gibt –, lernen aber können die, die außer dem Gedächtnis auch diesen Sinn besitzen. Die übrigen Tiere leben also in Vorstellungen und Erinnerungen und haben nur wenig Anteil an Erfahrung; das Geschlecht der Menschen aber lebt auch durch Kunst und Überlegung. Aus dem Gedächtnis entsteht den Menschen die Erfahrung: Denn viele Erinnerungen an dieselbe Sache bringen die Kraft einer einzigen Erfahrung hervor.

Μετὰ τὰ φυσικά Α 1, 980a21–980b29 (c. 350–322 BC), the opening · Gemeinfreier Text, Quelle: perseus.tufts.edu

C2

Über Aristoteles auf Griechisch lesen (C2)

Wörter aus dem Text

  • Arzt (gehoben)
  • ich besuche (eine Schule)
  • ich bin anderer Meinung
  • ewig
  • Erziehung, Bildung
  • Anhänger
  • Tugend
  • Jahrtausend

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