Leben
Aspasia Papathanassiou wurde 1918 in Amfissa geboren und absolvierte 1940 die Schauspielschule des Nationaltheaters. Zu ihren frühen Engagements gehörte Marika Kotopoulis Ensemble. Sie beteiligte sich am Widerstand während des Krieges; politische Verfolgung unterbrach ihre Theaterarbeit. 1952 gründete sie mit Tzavalas Karousos die Griechische Theatergesellschaft und entwickelte neben dem Schauspiel gemeinschaftliche Arbeitsformen.
Von 1957 bis 1966 war sie Hauptdarstellerin und Gründungsmitglied von Dimitris Rondiris’ Piräus-Theater. Die Truppe brachte griechische Tragödien auf internationale Tourneen. Ihre Elektra erhielt 1960 den ersten Schauspielpreis beim Festival Theater der Nationen. Griechische Dramensprache, Bewegung und Ensemblearbeit begegneten unterschiedlichen Publika und Spielorten.
Während der Militärdiktatur lebte sie im freiwilligen Exil mit London als Basis und beteiligte sich an Opposition und europäischen Produktionen. 1975 gründete sie die gemeinnützige Organisation Δεσμοί (Verbindungen) mit. Sie förderte durch Tourneen und Festivals die theatrale und kulturelle Dezentralisierung. Das spätere Forschungszentrum organisierte Schauspielkurse und Seminare. Zu ihren Büchern zählen Σελίδες μνήμης (Seiten der Erinnerung, 1996) und Γυναικείες μορφές της αρχαίας ελληνικής τραγωδίας (Frauenfiguren der antiken griechischen Tragödie, 2010). Sie starb im Juni 2020.
Werk

Papathanassious Elektra in den Aufführungen des Piräus-Theaters von 1960 gehörte zu Rondiris’ langfristiger Tragödienarbeit. Sie spielte die Tochter angesichts familiärer Gewalt. Jahrzehnte später verkörperte sie in Ηλέκτρα (Elektra, 1996) am Nationaltheater Klytaimnestra; Lydia Koniordou spielte Elektra und führte Regie. Giorgos Cheimonas’ Übersetzung lieferte den neugriechischen Text. Der Rollenwechsel stellt ihre Arbeit auf verschiedene Seiten derselben dramatischen Beziehung.
Ihre Darstellung in Επιτάφιος (Epitaph, 1982) brachte Giannis Ritsos’ Gedicht ins Fernsehen. Stamatis K. Chondrogiannis inszenierte die Dramatisierung mit Musik von Mikis Theodorakis. Die am 1. Mai 1982 erstmals ausgestrahlte Produktion verband mütterliche Trauer mit Fotos und Zeitungsmaterial über die Proteste der Tabakarbeiter in Thessaloniki 1936. Dichter, Fernsehregisseur und Darstellerin trugen Unterschiedliches bei.
In Η μελανόμορφη Κλυταιμνήστρα (Die schwarzfigurige Klytaimnestra), 2005 im Topos Allou präsentiert, gestaltete sie einen Weg durch Aischylos’ Orestie mit Klytaimnestra im Zentrum. Sie erklärte, Situationen und Elemente verschiedener Figuren anzudeuten. Dieses konzentrierte Spiel betont die Deutung: Zuschauer sehen eine Handlung und bilden zugleich mehrere mögliche Erklärungen.
Nachwirkung im heutigen Griechenland
Papathanassious Vermächtnis verbindet Schauspiel, internationale Tourneen und Einrichtungen, die Theater über eine zentrale Bühne hinausbrachten. Ihr Bericht über Andeutung regt eine neugriechische Übung an. Zeichnen Sie nach dem bearbeiteten Text zwei Spalten: Was sehe ich, was vermute ich? Beschreiben Sie eine Person mit einem Papier an einer geschlossenen Tür. Schreiben Sie zuerst eine sichtbare Handlung mit βλέπω oder παρατηρώ, dann eine mögliche Erklärung mit υποθέτω oder ίσως. Ergänzen Sie eine zweite Erklärung und vergleichen Sie. Das ist Ihre eigene Übungsszene. Sie schult genaue Beobachtung, Deutungsverben und die Unterscheidung zwischen Anhaltspunkten und einer möglichen Lesart einer Geste.
Wussten Sie schon?
- 1918 in Amfissa geboren; im Juni 2020 gestorben.
- Gründungsmitglied und Hauptdarstellerin des Piräus-Theaters, 1957–1966.
- 1975 Mitgründerin der gemeinnützigen Kulturorganisation Desmoi.
- In der Elektra des Nationaltheaters von 1996 spielte sie Klytaimnestra neben Lydia Koniordou als Elektra.
Hauptwerke
| Griechischer Titel | Titel | Jahr |
|---|---|---|
| Ηλέκτρα — Ηλέκτρα | Elektra — Titelrolle (Aufführung) | 1960 |
| Επιτάφιος — τηλεοπτική ερμηνεία | Epitaph — Fernsehauftritt | 1982 |
| Ηλέκτρα — Κλυταιμνήστρα | Elektra — Klytaimnestra (Aufführung) | 1996 |
| Η μελανόμορφη Κλυταιμνήστρα — παρουσίαση | Die schwarzfigurige Klytaimnestra — Komposition und Spiel, Präsentation 2005 | 2005 |
Ein Satz zum Merken
Εδώ, αναγκαστικά, “υπονοώ” καταστάσεις, δεν τις αφηγούμαι.
Edo, anagkastika, “yponoo” katastaseis, den tis afigoumai.
Hier deute ich zwangsläufig Situationen an, ich erzähle sie nicht.
















































































































