Leben
Tsitsanis wurde am 18. Januar 1915 in Trikala geboren, einer Marktstadt in der thessalischen Ebene. Sein Vater, ein Schuhmacher aus dem Epirus, spielte Mandoline, und der Junge lernte zuerst Geige, bevor er zur Bouzouki griff, damals ein Instrument der Armen und Verrufenen. 1936 ging er nach Athen, um Jura zu studieren, fand stattdessen aber die Tonstudios: Seine ersten Platten erschienen 1937, und innerhalb von zwei Jahren schrieb er für die besten Sänger der Zeit. 1938 wurde er zum Militärdienst nach Thessaloniki eingezogen und blieb dort während der deutschen Besatzung (1941–44); er führte eine kleine Ouzeri in der Pavlou-Mela-Straße, wo er abends spielte. Hunger und Angst dieser Jahre brachten sein berühmtestes Lied hervor.
1946 kehrte er nach Athen zurück, und das folgende Jahrzehnt war sein goldenes Zeitalter. Mit den Sängerinnen Sotiria Bellou und Marika Ninou spielte er Abend für Abend im Lokal von «Τζίμης ο Χοντρός» (Jimmy der Dicke), und die Platten, die sie gemeinsam aufnahmen, Dutzende davon, prägten den Klang des griechischen Nachkriegsliedes: Bouzouki, Gitarre, zwei Stimmen und Texte über Liebe, Armut und die Nacht. Später sangen ihn Stelios Kazantzidis, Prodromos Tsaousakis und viele andere. Von 1967 bis in seine letzten Jahre spielte er im Lokal «Χάραμα» in Kaisariani, wo die Leute Schlange standen, um ihn zu hören. 1983 erkrankte er, ging für eine Lungenoperation nach London und starb dort am 18. Januar 1984, seinem neunundsechzigsten Geburtstag. Zu seiner Beerdigung in Athen kam eine riesige Menschenmenge.
Werk

Vor Tsitsanis war der Rebetiko die Musik der Haschischhöhlen und Flüchtlingsviertel, mit Texten über Gefängnis, Drogen und Messer; Markos Vamvakaris war sein Meister. Tsitsanis behielt die Bouzouki und die Tänze, den ζεϊμπέκικο und den χασάπικο, veränderte aber fast alles andere. Seine Melodien bedienten sich der westlichen Dur- und Molltonleitern ebenso wie der östlichen Modi, seine Harmonien waren reicher, und seine Worte erzählten von Dingen, die jeder erlebt hatte: eine verlorene Liebe, eine leere Tasche, eine wartende Mutter, ein grauer Sonntag. Das Ergebnis war eine Musik, die sich das ganze Land zu eigen machen konnte, und das griechische Wort dafür wechselte von ρεμπέτικο zu λαϊκό, Volkslied.
Seinen ersten großen Hit, Αρχόντισσα (Archontissa, «Edle Dame»), schrieb er 1938. Συννεφιασμένη Κυριακή (Wolkiger Sonntag) entstand um 1943 in Thessaloniki und wurde 1948 mit Prodromos Tsaousakis und Sotiria Bellou aufgenommen; ein Sonntag, so grau wie das Herz des Sängers, wurde zu dem Lied, das Griechen singen, wenn sie fern der Heimat sind. Μπαξέ τσιφλίκι (Baxe Tsifliki, 1946) ist nach einem Viertel von Thessaloniki benannt und feiert dessen Tavernen; Κάποια μάνα αναστενάζει (Irgendeine Mutter seufzt, 1947) ist die Klage einer Mutter um einen abwesenden Sohn; Τα καβουράκια (Die kleinen Krebse) ist ein komisches Lied über beschwipste Nachtschwärmer, die im Morgengrauen im Krebsgang nach Hause gehen. Dazu kommen Ό,τι κι αν πω δεν σε ξεχνώ (Was ich auch sage, ich vergesse dich nicht), Της γερακίνας γιος (Der Sohn der Falkenfrau), Νύχτες μαγικές (Magische Nächte) und mehrere hundert weitere, und so entsteht ein Werk, das jeder Grieche zumindest in Bruchstücken kennt, ob er nun weiß, wer es geschrieben hat, oder nicht.
Nachwirkung im heutigen Griechenland
Am einfachsten lernt man Tsitsanis kennen, indem man in irgendeine griechische Taverne mit Livemusik geht und wartet: Innerhalb einer Stunde wird jemand Συννεφιασμένη Κυριακή spielen, und der ganze Saal wird mitsingen. Aufnahmen von Bellou, Ninou und Kazantzidis sind leicht zu finden, und das Original von Wolkiger Sonntag aus dem Jahr 1948 mit Tsaousakis und Bellou ist der beste Einstieg. In Trikala wurde 2016 in einem restaurierten osmanischen Badehaus ein ihm gewidmetes Museum eröffnet, in der Stadt steht eine Statue von ihm mit seiner Bouzouki, und der Jahrestag seiner Geburt und seines Todes, der 18. Januar, wird dort jedes Jahr begangen. Straßen mit dem Namen Τσιτσάνη gibt es in ganz Griechenland. Der Film Ουζερί Τσιτσάνης von 2010, nach dem Roman von Giorgos Skampardonis, erzählt von den Jahren in Thessaloniki. Seine Lieder sind noch urheberrechtlich geschützt, werden aber überall gesungen.
Wussten Sie schon?
- Er starb am 18. Januar 1984, genau neunundsechzig Jahre nach seiner Geburt am 18. Januar 1915.
- Er ging 1936 nach Athen, um Jura zu studieren, und schloss nie ab; die Bouzouki, damals als Instrument des Milieus angesehen, brachte schon mehr ein.
- Wolkiger Sonntag wurde um 1943 im besetzten Thessaloniki geschrieben, konnte aber erst 1948, nach dem Krieg, aufgenommen werden.
- Viele seiner bekanntesten Lieder wurden zuerst von Frauen gesungen, Sotiria Bellou und Marika Ninou, zu einer Zeit, als die Rebetiko-Welt fast vollständig männlich war.
Hauptwerke
| Griechischer Titel | Titel | Jahr |
|---|---|---|
| Αρχόντισσα | Archontissa (Edle Dame) | 1938 |
| Μπαξέ τσιφλίκι | Baxe Tsifliki | 1946 |
| Κάποια μάνα αναστενάζει | Irgendeine Mutter seufzt | 1947 |
| Συννεφιασμένη Κυριακή | Wolkiger Sonntag (geschrieben um 1943) | 1948 |
| Τα καβουράκια | Die kleinen Krebse | c. 1950 |
| Ό,τι κι αν πω δεν σε ξεχνώ | Was ich auch sage, ich vergesse dich nicht | c. 1950s |
Aus dem Werk


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Ein Satz zum Merken
Συννεφιασμένη Κυριακή, μοιάζεις με την καρδιά μου
Synnefiasmeni Kyriaki, moiazeis me tin kardia mou
Wolkiger Sonntag, du gleichst meinem Herzen














