Leben
Pantelis Voulgaris wurde 1940 in Athen geboren. Er studierte Filmregie an der Stavrakos-Schule in Athen und arbeitete danach als Regieassistent bei vielen Produktionen, wo er das Handwerk an fremden Drehorten lernte. 1965 drehte er seinen ersten Kurzfilm, Ο κλέφτης (Der Dieb), ein achtzehnminütiges Schwarzweißwerk, zu dem er auch das Drehbuch schrieb.
Sein erster Spielfilm, Το προξενιό της Άννας (Die Verlobung der Anna), kam 1972 während der Militärdiktatur heraus und gewann beim Festival von Thessaloniki in jenem Jahr mehrere Preise. Berichte über eine spätere Retrospektive erinnern daran, dass die Diktatur ihn damals ins Exil schickte. Maria Komninou, Präsidentin des Griechischen Filmarchivs, bezeichnete ihn als eine der wichtigsten Stimmen der neuen Strömung im griechischen Kino, die in jenen Jahren entstand.
Neben Spielfilmen drehte Voulgaris Dokumentarfilme für das griechische Fernsehen und inszenierte am Theater. Mehrere seiner bekanntesten Filme entstanden mit der Schriftstellerin Ioanna Karystiani, seiner Partnerin im Leben und in der Arbeit. Mit der Insel Andros, wo er Little England drehte, verbindet ihn eine lange Beziehung, und er war künstlerischer Leiter des Internationalen Festivals von Andros. 1995 zeigte das Museum of Modern Art in New York eine Retrospektive seiner bisherigen Filme.
Werk
Die Verlobung der Anna folgt Anna, einer Hausangestellten, die bei einer kleinbürgerlichen Athener Familie wohnt. Sie soll Kosmas heiraten, einen Mann aus ihrem Heimatdorf, und die beiden verbringen einen Sonntag zusammen. Ihre Arbeitgeber, die ihre Arbeitskraft nicht verlieren wollen, ändern ihre Meinung und drängen sie zu bleiben, und sie kehrt in ihr enges Leben zurück. Das Griechische Filmarchiv beschreibt den Film als Studie über Macht und Unterwerfung in der Stadt der frühen 1970er-Jahre.
Πέτρινα χρόνια (Steinerne Jahre, 1985) erzählt die Geschichte eines jungen Paares linker Aktivisten von 1954 bis zum Sturz der Diktatur 1974: Jahre im Untergrund, Verhaftungen und Gefängnis. Der Film erhielt beim Festival von Thessaloniki den Regiepreis. Νύφες (Bräute, 2004), geschrieben von Karystiani, begleitet ein Schiff griechischer Bräute auf dem Weg nach Amerika im Jahr 1922. Μικρά Αγγλία (Little England, 2013), nach Karystianis Roman, spielt unter den Seefahrerfamilien von Andros in den 1930er-Jahren und folgt zwei Schwestern, Orsa und Moscha. Beim Festival von Shanghai 2014 gewann er Goldene Kelche für den besten Film, die beste Regie und die beste Darstellerin, Pinelopi Tsilika. Το τελευταίο σημείωμα (Die letzte Notiz, 2017) kehrt in die Besatzungszeit zurück: ins Lager Chaidari vor der Hinrichtung von 200 Gefangenen am 1. Mai 1944. In all diesen Filmen verbindet Voulgaris große historische Ereignisse mit den Entscheidungen gewöhnlicher Menschen.
Nachwirkung im heutigen Griechenland
Im Dezember 2022 zeigte das Griechische Filmarchiv in Athen eine Retrospektive mit zwölf seiner Spielfilme und vier Kurzfilmen, organisiert mit dem Filmfestival Thessaloniki und seinem Filmmuseum. Little England wurde Griechenlands offizieller Beitrag für den Oscar als bester fremdsprachiger Film und gewann sechs Preise der Griechischen Filmakademie, darunter den für den besten Film. Als ersten Schritt sehen Sie sich den offiziellen Trailer von Little England an, einem griechischsprachigen Film, und notieren drei Dinge, die Sie sehen: ein Haus, eine Straße, das Meer. Beschreiben Sie sie dann der Reihe nach mit dem Griechisch dieser Seite: Πρώτα βλέπω το λιμάνι (Zuerst sehe ich den Hafen), Μετά περπατώ στον δρόμο (Dann gehe ich die Straße entlang). Das sind unsere eigenen Übungssätze, keine Zeilen aus dem Film.
Wussten Sie schon?
- Bevor er selbst Regie führte, arbeitete er bei vielen Filmen als Regieassistent.
- Das Museum of Modern Art in New York widmete seinen Filmen 1995 eine Retrospektive.
- Bei den Preisen der Griechischen Filmakademie 2014 war er nicht für die beste Regie nominiert, eine Entscheidung, die er oft trifft, damit jüngere Regisseure Aufmerksamkeit bekommen.
- Der Titel Die letzte Notiz bezieht sich auf den letzten Brief, den Napoleon Soukatzidis 1944 für Chara Lioudaki hinterließ.
Hauptwerke
| Griechischer Titel | Titel | Jahr |
|---|---|---|
| Το προξενιό της Άννας | Die Verlobung der Anna | 1972 |
| Πέτρινα χρόνια | Steinerne Jahre | 1985 |
| Ήσυχες μέρες του Αυγούστου | Stille Tage im August | 1991 |
| Νύφες | Bräute | 2004 |
| Μικρά Αγγλία | Little England (Klein-England) | 2013 |
| Το τελευταίο σημείωμα | Die letzte Notiz | 2017 |
Ein Satz zum Merken
Κάθε φορά που κάνεις μια ταινία δημιουργείς πάντα έναν τόπο που τον συνθέτεις, τον επιλέγεις, τον κατασκευάζεις.
Káthe forá pou káneis mia tainía dimiourgeís pánta énan tópo pou ton synthéteis, ton epilégeis, ton kataskevázeis.
Jedes Mal, wenn man einen Film macht, erschafft man immer einen Ort, den man zusammensetzt, auswählt und baut.





























































