Leben
Roula Pateraki wurde in Thessaloniki geboren. Sie hat erzählt, dass das Theater ursprünglich nicht ihre eigene Wahl war: Als sie etwa zehn war, bemerkten ihre Lehrer ihr Talent, und ihre Eltern lenkten sie zur Bühne. In diesem Alter stand sie zum ersten Mal auf der Bühne, als Isaak in Η Θυσία του Αβραάμ (Die Opferung Abrahams). Sie schloss ein Studium der englischen Literatur an der Aristoteles-Universität Thessaloniki ab, wurde an der Schauspielschule von Kyriazis Charatsaris ausgebildet und spielte im professionellen Ensemble Ελεύθερο Θέατρο (Freies Theater).
In Thessaloniki war sie Gründungsmitglied der Theaterwerkstatt und schuf danach ihre eigene Επιθεώρηση Δραματικής Τέχνης (Revue der Schauspielkunst), die von 1978 bis 1985 zugleich Schauspielschule und professionelles Ensemble war. Dort inszenierte sie unter anderem Stücke von Tom Stoppard, Samuel Beckett und Henrik Ibsen und spielte darin. Nach ihrem Umzug nach Athen gründete sie 1990 das Dramatische Theater Roula Pateraki.
Als Schauspielerin spielte sie Hauptrollen wie Rebekka West in Ibsens Rosmersholm, Marguerite Gautier in Die Kameliendame und Molly Bloom aus James Joyces Ulysses. Sie wirkte auch in Filmen mit, darunter Lakis Papastathis’ Το μόνον της ζωής του ταξείδιον (Die einzige Reise seines Lebens). 2016 inszenierte sie am Griechischen Nationaltheater eine Bühnenfassung von Breaking the Waves und spielte selbst darin.
Werk
Pateraki ist für anspruchsvolles, textzentriertes Theater bekannt und für Proben, die viele Monate dauern können. Der Schauspieler Giannis Palamiotis, der in Thessaloniki bei ihr lernte und mit ihr arbeitete, verbindet ihren Ansatz mit stilisiertem skandinavischem Spiel, mit Grotowski und Peter Brook sowie mit Filmemachern wie Bergman, Dreyer und Tarkowski. Sie sagt, sie habe ihr eigenes System von Schauspielübungen durch August Strindberg entwickelt; sein Προς Δαμασκόν (Nach Damaskus) inszenierte sie 2016 in der Onassis Stegi als erste griechische Produktion des Stücks.
Ihre Arbeit mit antiken Texten ist für Lernende besonders interessant. Für das Nationaltheater verband sie 2008 im antiken Epidauros Οιδίπους Τύραννος (König Ödipus) und Οιδίπους επί Κολωνώ (Ödipus auf Kolonos) zu einer Aufführung. Statt eine vorhandene Übersetzung zu nutzen, erarbeitete sie mit Giannis Lignadis eine neue neugriechische Fassung; sie strich nur Wiederholungen und behielt die Chorlieder und die Monologe des Ödipus. 2014 bearbeitete sie die Geschichte des Peloponnesischen Krieges von Thukydides als Το μανιφέστο του πολέμου (Das Manifest des Krieges), Teil I, für das Kleine Theater des antiken Epidauros; das Stück endete mit der Grabrede des Perikles.
Sie hat sich auch für moderne griechische Dramatiker eingesetzt. 2018 inszenierte sie im Peiraios 260 eine dreistündige „rote Aufführung“ aus elf Stücken von Loula Anagnostaki, und 2019 schloss sie eine Trilogie nach Dimitris Dimitriadis’ Πεθαίνω σα χώρα (Ich sterbe wie ein Land) mit einer Aufführung in einem unfertigen U-Bahn-Tunnel in Piräus ab.
Nachwirkung im heutigen Griechenland
Paterakis Inszenierungen zeigen, wie das griechische Theater antike und moderne Texte lebendig hält, indem es sie im heutigen Griechisch spricht. Das digitale Archiv des Nationaltheaters bewahrt das Programmheft und Fotos ihres Ödipus von 2008, und das Athens Epidaurus Festival hat Seiten zu ihren Projekten über Thukydides und Anagnostaki. Probiere eine kleine Probe zu Hause: Wähle einen Satz aus dem griechischen Text dieser Seite, zum Beispiel Οι ηθοποιοί διαβάζουν το κείμενο (Die Schauspieler lesen den Text). Lies ihn einmal normal und folge dann zwei Anweisungen eines Partners: πιο αργά (langsamer) und πιο δυνατά (lauter). Tauscht die Rollen. Diese Anweisungen sind unsere eigene Übung, keine Worte aus ihren Inszenierungen.
Wussten Sie schon?
- Ihre erste Bühnenrolle mit etwa zehn Jahren war der Junge Isaak in Die Opferung Abrahams.
- Bevor sie Schauspiel lernte, schloss sie ein Studium der englischen Literatur ab.
- Ihr Anagnostaki-Projekt von 2018 lief parallel zu einer eigenen „weißen Aufführung“ in einem anderen Saal desselben Hauses.
- Eine ihrer Aufführungen von 2019 fand in einem unfertigen U-Bahn-Tunnel vor nur 60 Zuschauern statt.
Hauptwerke
| Griechischer Titel | Titel | Jahr |
|---|---|---|
| Επιθεώρηση Δραματικής Τέχνης | Revue der Schauspielkunst — Schule und Ensemble, Thessaloniki | 1978 |
| Δραματικό Θέατρο «Ρούλα Πατεράκη» | Dramatisches Theater Roula Pateraki, Athen | 1990 |
| Οιδίπους Τύραννος – Οιδίπους επί Κολωνώ | König Ödipus – Ödipus auf Kolonos, Epidauros | 2008 |
| Το μανιφέστο του πολέμου (Μέρος Α΄) | Das Manifest des Krieges, Teil I — nach Thukydides | 2014 |
| Προς Δαμασκόν | Nach Damaskus — Strindberg, Onassis Stegi | 2016 |
| Εργοτάξιο Λούλα Αναγνωστάκη – Η κόκκινη παράσταση | Baustelle Loula Anagnostaki – Die rote Aufführung | 2018 |
Ein Satz zum Merken
Το μόνο θέατρο που με ενδιαφέρει είναι το μεγάλης έρευνας.
To móno théatro pou me endiaféri íne to megális érevnas.
Das einzige Theater, das mich interessiert, ist das Theater der tiefen Forschung.





























































