Leben
Niki Marangou wurde 1948 in Limassol auf Zypern geboren. Ihr Vater stammte aus Famagusta, ihre Mutter aus Kozani in Nordgriechenland. In einem Interview mit dem Schriftsteller Michel Fais sagte sie 2008, sie habe das Glück gehabt, in einem Haus mit Büchern, alten Büchern, aufzuwachsen. Von 1965 bis 1970 studierte sie Soziologie in West-Berlin. Später schrieb sie, sie habe die lähmenden Nachmittage von Nikosia gebraucht, um sich wieder zu erinnern, wer sie war.
Zurück auf Zypern arbeitete sie etwa zehn Jahre lang als Dramaturgin am Staatstheater Zyperns. 1980 eröffnete sie in Nikosia die Buchhandlung Kochlias, die auch Bücher verlegte, und leitete sie bis 2007. Sie war außerdem Malerin und Grafikerin: Sie hatte sieben Einzelausstellungen, die erste 1975, und nahm an der Grafikbiennale in Ljubljana (1993) und an der Biennale von Kairo (1996) teil. Eine Zeit lang unterrichtete sie blinde Kinder im Töpfern. Sie war Mitglied der Griechischen Schriftstellergesellschaft und des Zyprischen Schriftstellerverbands und reiste viel, vor allem in den Nahen Osten, die Türkei und Ägypten.
Am 7. Februar 2013 kam sie nach Berichten vom selben Tag ums Leben, als sich das Auto, in dem sie fuhr, nahe Fayoum, etwa 100 Kilometer südlich von Kairo, überschlug. Damals schrieb sie an einem Roman, der im Athen des 19. Jahrhunderts spielt, mit parallelen Geschichten im Famagusta von 1945 und in der Gegenwart.
Werk
Marangou schrieb auf Griechisch in vielen Gattungen. Ihr erster Gedichtband, Τα από κήπων (Aus den Gärten), erschien um 1981. Αρχή Ινδίκτου (Beginn der Indiktion, 1987) verdankt seinen Titel dem byzantinischen Kalender, in dem das Jahr am 1. September begann. Ihre Lyrik und Prosa erhielten zyprische Staatspreise, unter anderem für Αρχή Ινδίκτου und für die Erzählungen Μια στρώση άμμου (Eine Schicht Sand, 1990). 1998 erhielt sie in Alexandria den Kavafis-Preis für Lyrik, und 2006 zeichnete die Akademie von Athen Divan (2005) aus, eine Sammelausgabe ihrer Gedichte von 1967 bis 2000.
Orte und Reisen ziehen sich durch ihre Bücher. Γιατρός από τη Βιέννη (Arzt aus Wien, 2003), den ihr Nachruf in LiFO autobiografisch nannte, folgt der Geschichte eines zyprischen Arztes zwischen Famagusta und Wien; die deutsche Übersetzung (2008) heißt Von Famagusta nach Wien. Sie sagte, dieses Buch habe ihr erlaubt, über Wien und Alexandria zu schreiben. Ihr Erzählband Ο δαίμων της πορνείας (Der Dämon der Wollust) wurde von der Zeitschrift Diavazo zu den zehn besten griechischen Erzählbänden des Jahres 2007 gezählt, und Γεζούλ (Gezoul, 2010) ist ein Roman, der bei Estia in Athen erschien. Sie schrieb auch zyprische Märchen für Kinder und übersetzte Joachim Sartorius’ Buch Alexandria ins Griechische.
Nachwirkung im heutigen Griechenland
Ihr Name lebt vor allem durch The Niki Marangou Project am King’s College London fort. Dessen Übersetzungspreis, 2016 gegründet, fordert seit 2019 Studierende britischer Universitäten auf, eines ihrer Gedichte aus dem Neugriechischen ins Englische zu übersetzen, und jedes Jahr findet eine Gedenkvorlesung statt: Die achte fand im April 2026 im Haus Zyperns in Athen statt, zum Thema Definition der Poesie. Probieren Sie eine kleine Wegübung zu ihrem Γιατρός από τη Βιέννη: Schreiben Sie die zwei Städte des deutschen Titels auf, Αμμόχωστος (Famagusta) und Βιέννη (Wien), und erzählen Sie dann eine eigene Reise in drei griechischen Sätzen, zum Beispiel Πήγα από τη Λεμεσό στη Λευκωσία (Ich fuhr von Limassol nach Nikosia) und Γύρισα το βράδυ (Ich kam am Abend zurück). Markieren Sie, welche Sätze aus der Erinnerung stammen und welche Sie belegen könnten. Das sind unsere eigenen Übungssätze, nicht ihre Worte.
Wussten Sie schon?
- 2004 wurde ihr Gedicht Τριαντάφυλλα (Rosen) ausgewählt, um in Wartezimmern von NHS-Krankenhäusern im Vereinigten Königreich zu hängen.
- Ihre Familie verband zwei Enden der griechischen Welt: einen Vater aus Famagusta auf Zypern und eine Mutter aus Kozani in Makedonien.
- Kurz vor ihrem Tod schickte sie LiFO einen Bericht vom Literaturfestival in Jaipur, Indien; das Magazin veröffentlichte ihn 2022 erneut.
- Der Name ihrer Buchhandlung, Κοχλίας, ist ein gelehrtes griechisches Wort für das spiralförmige Schneckenhaus, das heute auch Schraube bedeutet.
Hauptwerke
| Griechischer Titel | Titel | Jahr |
|---|---|---|
| Τα από κήπων | Aus den Gärten — erster Gedichtband | c. 1981 |
| Αρχή Ινδίκτου | Beginn der Indiktion — Gedichte, zyprischer Staatspreis | 1987 |
| Μια στρώση άμμου | Eine Schicht Sand — Erzählungen, zyprischer Staatspreis | 1990 |
| Γιατρός από τη Βιέννη | Arzt aus Wien — von Famagusta nach Wien | 2003 |
| Divan | Divan — Gedichte 1967–2000, Preis der Akademie von Athen | 2005 |
| Γεζούλ | Gezoul — Roman | 2010 |
Ein Satz zum Merken
Από παιδί είχα μια εμμονή με τις λέξεις.
Apó pedí íha mia emmoní me tis léxis.
Seit meiner Kindheit bin ich von Wörtern besessen.


























































