Leben
Dimitra Kolliakou wurde 1968 in Athen geboren und wuchs dort auf. Sie studierte klassische Philologie an der Nationalen und Kapodistrias-Universität Athen und verließ Griechenland nach etwa einem Jahr Berufstätigkeit mit zweiundzwanzig. In Schottland schrieb sie an der Universität Edinburgh eine Doktorarbeit in theoretischer Linguistik; ihre Forschung galt der Syntax und Semantik des Neugriechischen und des Englischen.
Laut der Biografie ihres Verlags lehrte sie von 1995 bis 2010 Linguistik an der Newcastle University in England und danach von 2010 bis 2014 an der Université Paris Diderot. Außerdem leitete sie Werkstätten für kreatives Schreiben, von 2013 bis 2016 beim Verlag Patakis in Athen und von 2017 bis 2019 an der Hellenic Open University. Heute lebt sie in Paris, wo sie an einer Schule Literatur unterrichtet, und sie ist Mitglied der Εταιρεία Συγγραφέων (Schriftstellergesellschaft).
Ihr erstes Buch veröffentlichte sie mit dreiunddreißig, und in all ihren Jahren im Ausland schrieb sie weiter auf Griechisch. In Interviews sagte sie, sie habe viele Jahre als Fremde gelebt und mehrere europäische Städte gewechselt; die kosmopolitische Haltung ihrer Prosa komme aus diesem Leben. 2023 gab sie zu, nicht zu wissen, ob das Gefühl der ξενιτιά (Leben fern der Heimat) je „heilbar“ sei.
Werk

Ihr erster Roman, Το μαγείο (Der Zauber, Estia, 2001), beginnt mit einem Traum, in dem ein Großvater zur Zikade geworden ist. Es folgten Θερμοκρασία δωματίου (Zimmertemperatur, 2006), ein in Jerusalem spielender Roman, und Η αρρώστια των βουνών (Die Bergkrankheit, 2009), vier dichte Novellen in England und Indien, die die Zeitung Τα Νέα als Variationen weiblicher Leidenschaft las. Ήμισυ του παντός (Die Hälfte von allem) erschien 2015; der gelehrte Titel erinnert an das antike Sprichwort Αρχή ήμισυ παντός (Der Anfang ist die Hälfte von allem).
Die breiteste Anerkennung brachte Αλφαβητάρι εντόμων (Insekten-Fibel, Patakis, 2018): vierundzwanzig verbundene Geschichten, eine für jeden Buchstaben des griechischen Alphabets, und hinter jedem Buchstaben ein Insekt und die Menschen, deren Leben es kreuzt. Der Verlag beschreibt es als inspiriert von „dem Europa, das bezaubert, dem Europa, das enttäuscht“. Die Autorin ließ bewusst keine Gattungsbezeichnung auf den Umschlag drucken, weil die Geschichten fast wie ein Roman zusammenhalten. Das Buch teilte sich den Staatspreis 2019 für Erzählung und Novelle, für Bücher des Jahres 2018, mit Dimitris Kanellopoulos und gewann auch den Erzählpreis der Zeitschrift Ο Αναγνώστης (Der Leser).
Αταραξία (Ataraxie, 2022) begleitet eine griechische Schriftstellerin in Paris durch die Covid-Lockdowns und eine Reise nach China und leiht sich dabei Epikurs Wort für die Freiheit von Furcht. Καλυψώ (Kalypso, 2024) kehrt in die Welt der Odyssee zurück: Auf ihrer Insel lebt Kalypso mit Melanthe, der letzten Dienerin, die ihr geblieben ist, bis ein Fremder aus unserer Zeit ankommt.
Nachwirkung im heutigen Griechenland
Kolliakou gehört zu einer Generation griechischer Prosaautoren, die im Ausland leben und doch auf Griechisch für griechische Leser veröffentlichen; ihre Bücher sind bei Patakis in Athen lieferbar. Der Staatspreis 2019 machte ihren Erzählzyklus einem breiteren Publikum bekannt, und griechische Zeitungen und Zeitschriften befragen sie regelmäßig zu Exil, Europa und dem Handwerk der Fiktion. Ihre Titel zeigen außerdem, wie ein moderner Roman antike Wörter tragen kann: αταραξία von Epikur, ήμισυ aus einem alten Sprichwort.
Probieren Sie es: Nehmen Sie die Idee ihrer Αλφαβητάρι εντόμων, ohne ihre Geschichten zu kopieren, und bauen Sie eine eigene griechische Insektenfibel mit fünf Buchstaben: α – η ακρίδα (Heuschrecke), κ – το κουνούπι (Mücke), μ – το μυρμήγκι (Ameise), π – η πεταλούδα (Schmetterling), τ – το τζιτζίκι (Zikade). Schreiben Sie dann zu jedem Buchstaben einen Satz.
Wussten Sie schon?
- In Αλφαβητάρι εντόμων stellte sie die Biene unter das lateinische B, als Wortspiel mit „to bee or not to bee“.
- Den griechischen Buchstaben Μ behielt sie für το μυρμήγκι (die Ameise), in einer Geschichte über die Schule.
- Vor dem Staatspreis hatte sie bereits den Jim-Wilson-Preis des EKEBI für Debütautoren, den Athens Prize for Literature der Zeitschrift (δε)κατα und den Romanpreis der Petros-Charis-Stiftung der Akademie von Athen erhalten.
- Sie sagte, Wahrheit in der Fiktion sei für sie die erste Forderung, und verbindet das mit Dionysios Solomos’ Aufruf, alles Wahre als national anzusehen.
Hauptwerke
| Griechischer Titel | Titel | Jahr |
|---|---|---|
| Το μαγείο | Der Zauber — erster Roman | 2001 |
| Θερμοκρασία δωματίου | Zimmertemperatur — Roman in Jerusalem | 2006 |
| Η αρρώστια των βουνών | Die Bergkrankheit — vier Novellen | 2009 |
| Ήμισυ του παντός | Die Hälfte von allem — Roman | 2015 |
| Αλφαβητάρι εντόμων | Insekten-Fibel — 24 verbundene Geschichten | 2018 |
| Αταραξία | Ataraxie — Roman | 2022 |
Ein Satz zum Merken
Το να υπάρχει αλήθεια στη μυθοπλασία είναι για μένα το πρώτο ζητούμενο.
To na ypárchei alítheia sti mythoplasía eínai gia ména to próto zitoúmeno.
Dass es Wahrheit in der Fiktion gibt, ist für mich das Erste, worauf es ankommt.










































