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Adamantios Korais
Unknown author · Public domain · Wikimedia Commons

C2Neugriechenland · Gelehrter der griechischen Aufklärung

Adamantios Korais

Αδαμάντιος Κοραής

1748 – 1833 · Smyrna; Amsterdam; Montpellier; Paris

Adamantios Korais (Αδαμάντιος Κοραής, 1748–1833), auch Coray oder Koraïs geschrieben, war ein Arzt aus Smyrna, der die Französische Revolution in Paris erlebte und zum führenden Denker der griechischen Aufklärung wurde. Von seiner Studierstube aus gab er die antiken griechischen Autoren für seine Landsleute heraus, drängte sie, sich durch Bildung zu befreien, und schlug für die griechische Sprache einen «Mittelweg» vor, der das griechische Schreiben ein Jahrhundert lang prägte. Das freie Griechenland, für das er gearbeitet hatte, betrat er nie.

Leben

Korais wurde am 27. April 1748 in Smyrna als Sohn eines Kaufmanns aus Chios geboren. Sein Vater bestimmte ihn für den Handel und schickte ihn 1771 als Agenten der Firma nach Amsterdam; der junge Mann verbrachte dort sechs Jahre damit, Sprachen zu lernen und zu lesen statt zu verkaufen, und das Geschäft ging zugrunde. Zurück in Smyrna und entschlossen, nicht unter osmanischer Herrschaft zu leben, überredete er seine Familie, ihn Medizin studieren zu lassen. Von 1782 bis 1788 studierte er in Montpellier, schloss mit Auszeichnung ab und zog im Mai 1788 nach Paris, ein Jahr vor der Revolution, die er mit Sorge und Bewunderung von seinem Fenster aus verfolgte.

Er lebte die verbleibenden fünfundvierzig Jahre seines Lebens in Paris, arm, unverheiratet, und arbeitete ab dem frühen Morgen in einer bescheidenen Wohnung an seinen Büchern. Ämter und Ehrungen lehnte er ab, da er die Unabhängigkeit vorzog, und erwarb sich bei den französischen Gelehrten Ansehen durch Ausgaben und Übersetzungen antiker Texte, beginnend mit Hippokrates im Jahr 1800. Die Griechische Revolution von 1821 traf ihn mit dreiundsiebzig Jahren an; zu alt, um hinzugehen, schrieb er, sammelte Geld und beriet, und in den Streitschriften seiner letzten Jahre überwarf er sich erbittert mit Ioannis Kapodistrias, dem ersten Gouverneur Griechenlands, dem er vorwarf, wie ein Tyrann zu regieren. Mit Thomas Jefferson korrespondierte er über die Verfassung, die ein freies Griechenland haben sollte.

Er starb am 6. April 1833 in Paris und wurde auf dem Friedhof Montparnasse beigesetzt. 1877 ließ der griechische Staat seine sterblichen Überreste auf den Ersten Friedhof von Athen überführen.

Werk

Korais' Lebenswerk war die Ἑλληνικὴ Βιβλιοθήκη (Hellenische Bibliothek, 1805–1827), eine Reihe von Ausgaben antiker Autoren, Isokrates, Plutarch, Strabon, die Politik des Aristoteles, Epiktet und andere, finanziert von den Brüdern Zosimas, griechischen Kaufleuten in Russland, und kostenlos an Schulen in Griechenland verschickt. Was die Griechen darin lasen, waren die Vorreden, die Προλεγόμενα oder Αὐτοσχέδιοι στοχασμοί (Improvisierte Gedanken), in denen der Herausgeber seine Landsleute in schlichtem Neugriechisch über Bildung, Freiheit, Klerus, Aberglauben und vor allem die Sprache ansprach. Zuvor hatte er die Ἀδελφικὴ Διδασκαλία (Brüderliche Belehrung, 1798) geschrieben, eine zornige Antwort auf eine patriarchale Schrift, die die Griechen zum Gehorsam gegenüber dem Sultan aufrief, sowie das Σάλπισμα πολεμιστήριον (Kriegstrompete, 1801), einen Aufruf zu den Waffen; 1803 trug er vor einer gelehrten Gesellschaft in Paris sein Mémoire über den Zustand der Zivilisation in Griechenland vor und verkündete Europa, dass die Griechen erwachten.

In der Sprachfrage schlug er die «μέση οδός» vor, den Mittelweg: weder das künstliche Altgriechisch der Gelehrten noch die gesprochene Sprache genau so, wie sie war, sondern die «verbesserte» gesprochene Sprache, ihre Fremdwörter ersetzt und ihre Grammatik dem Altgriechischen angenähert. Sein Schlüsselbegriff war μετακένωσις, das «Umfüllen» der Aufklärung aus Europa nach Griechenland. Die verbesserte Sprache wurde in anderen Händen und starrer, als er es wünschte, zur Katharevousa, die bis 1976 die offizielle Staatssprache Griechenlands blieb, und die Sprachfrage, die Griechenland 150 Jahre lang spaltete, beginnt mit ihm. Sein letztes Werk, die Ἄτακτα (Vermischtes, 1828–1835), ist eine gewaltige Sammlung von Notizen zu griechischen Wörtern, alten wie neuen.

Nachwirkung im heutigen Griechenland

Korais ist eine der vier Gestalten, deren Statuen vor den Propyläen der Universität Athen stehen, und sein Gesicht war auf dem 100-Drachmen-Schein von 1978 abgebildet. Auf Chios, der Insel seiner Familie, ist die Korais-Bibliothek (Βιβλιοθήκη Κοραή), gegründet auf den Büchern, die er dorthin schickte, eine der größten Bibliotheken Griechenlands und bewahrt seine Handschriften und seine persönliche Sammlung. Straßen namens Κοραή durchziehen das Zentrum Athens und fast jeder griechischen Stadt, und neben dem Wort Διαφωτισμός, Aufklärung, steht in griechischen Schulbüchern fast immer sein Name. Lernende begegnen ihm in jeder Geschichte der griechischen Sprache: Der Streit zwischen seinem Mittelweg und der Demotike des Psycharis ist die zentrale Geschichte des Neugriechischen, und sein Begriff μετακένωση wird noch immer zitiert, wann immer Griechen über Europa streiten.

Wussten Sie schon?

  • Er kam im Mai 1788 in Paris an und sah die Französische Revolution von seinem Fenster aus ihren Lauf nehmen; er lebte die folgenden fünfundvierzig Jahre in der Stadt.
  • 1823 schrieb er an den damals achtzigjährigen Thomas Jefferson und bat um Rat für eine Verfassung Griechenlands, und Jefferson antwortete ausführlich.
  • Obwohl er sein Leben lang für Griechenland arbeitete, besuchte er den freien griechischen Staat nie; seine Überreste kamen erst 1877 nach Athen.
  • Sein Gesicht erschien auf dem griechischen 100-Drachmen-Schein von 1978.

Hauptwerke

Griechischer TitelTitelJahr
Αδελφική ΔιδασκαλίαBrüderliche Belehrung1798
Ιπποκράτους «Περί αέρων, υδάτων, τόπων» (έκδοση)Ausgabe des Hippokrates, Über Luft, Wasser und Orte1800
Σάλπισμα πολεμιστήριονKriegstrompete1801
Υπόμνημα περί της παρούσης καταστάσεως του πολιτισμού εν ΕλλάδιDenkschrift über den gegenwärtigen Zustand der Zivilisation in Griechenland1803
Ελληνική ΒιβλιοθήκηHellenische Bibliothek (Ausgaben mit Vorreden)1805–1827
ΆτακταVermischtes1828–1835

Ein Satz zum Merken

Μήτε τύραννοι τῶν χυδαίων, μήτε δοῦλοι τῆς χυδαιότητος αὐτῶν.

Im heutigen GriechischΟύτε τύραννοι του απλού λαού, ούτε δούλοι της χυδαιότητάς του.

Mite tyrannoi ton chydaion, mite douloi tis chydaiotitos afton.

Weder Tyrannen des einfachen Volkes noch Sklaven seiner Gewöhnlichkeit.

Προλεγόμενα to his edition of Heliodorus (1804), on how writers should treat the spoken language

Im Original

Der Text, wie Adamantios Korais ihn geschrieben hat, gemeinfrei, mit unserer eigenen Übersetzung daneben.

«Σάλπισμα Πολεμιστήριον»Kriegstrompete

Aus der Flugschrift, die Korais 1801 in Paris für die Griechen drucken ließ, die mit den Franzosen in Ägypten dienten: Er leiht seine Stimme Griechenland selbst, dargestellt als verwundete Mutter, die zu ihren Kindern eilt; ihre Rede an sie füllt den Rest des Textes.

Όσα, φίλοι και αδελφοί, αναγνώσετε εις την παρούσαν εγκύκλιον επιστολήν, μη τα νομίσετε συμβουλάς ιδικάς μου, αλλ' ελεεινολογίας και παράπονα της Ελλάδος, της οποίας την εικόνα βλέπετε· διότι άλλα δεν γράφω πλην όσα ήθελε σας ειπεί η κοινή μήτηρ ημών και πατρίς, η δυστυχής Ελλάς, αν ελάμβανε φωνήν και γλώσσαν. Φαντάσθητε λοιπόν, ότι έχετε προ οφθαλμών την ημετέραν μητέρα την παλαιάν εκείνην και περίφημον εις όλα τα έθνη και εις όλους τους αιώνας Ελλάδα, η οποία με μαύρα και εξεσχισμένα φορέματα, εις όλα τα μέλη του σώματος πληγωμένη από τους βαρβάρους τυράννους, με λυτούς της κεφαλής τους πλοκάμους, ανυπόδητος και σχεδόν γυμνή, οδυρομένη και κλαίουσα την αθλίαν κατάστασιν εις την οποίαν την έρριψεν η θηριότητης των Τούρκων, τρέχει προς ημάς τα τέκνα της, μας δείχνει τα κατεσχισμένα της φορέματα, μίαν προς μίαν μάς ανακαλύπτει τας πληγάς της, μας βάφει με τα αίματά της, μας βρέχει με τα δάκρυά της, εναγκαλίζεται και ασπάζεται έκαστον από ημάς κατ' ιδίαν, και ζητεί από όλους κοινώς εκδίκησιν με τούτα τα λόγια:Was ihr, Freunde und Brüder, in diesem Rundschreiben lesen werdet, das haltet nicht für meine eigenen Ratschläge, sondern für die Wehklagen und Beschwerden Griechenlands, dessen Bild ihr seht; denn ich schreibe nichts anderes, als was euch unsere gemeinsame Mutter und Heimat, das unglückliche Griechenland, sagen würde, wenn es Stimme und Zunge erhielte. Stellt euch also vor, ihr hättet unsere Mutter vor Augen, jenes alte, bei allen Völkern und in allen Zeitaltern berühmte Griechenland, das in schwarzen, zerrissenen Gewändern, an allen Gliedern seines Leibes von den barbarischen Tyrannen verwundet, mit gelösten Locken, barfuß und fast nackt, jammernd und weinend über den elenden Zustand, in den die Grausamkeit der Türken es gestürzt hat, zu uns, seinen Kindern, läuft, uns seine zerfetzten Kleider zeigt, uns eine Wunde nach der anderen aufdeckt, uns mit seinem Blut färbt, uns mit seinen Tränen benetzt, jeden von uns einzeln umarmt und küsst und von uns allen gemeinsam Rache fordert mit diesen Worten:

Σάλπισμα πολεμιστήριον (1801), second paragraph · Gemeinfreier Text, Quelle: el.wikisource.org

C2

Über Adamantios Korais auf Griechisch lesen (C2)

Wörter aus dem Text

  • Geschäftsbuch
  • Philologe
  • Vorrede, Prolegomena
  • Bildung, Kultur
  • Auslandsgrieche
  • heftig, gewaltig
  • Nation
  • überführen, tragen

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