Leben
Martha Frintzila wurde 1972 in Elefsina (dem antiken Eleusis) westlich von Athen geboren und wuchs dort auf. Sie studierte Musik und Theater und begann 1993 als professionelle Schauspielerin zu arbeiten. Ihre ersten Rollen spielte sie am Nationaltheater Griechenlands, in Euripides’ Medea unter der Regie von Nikos Charalambous und in George Orwells Farm der Tiere unter der Regie von Dimitris Potamitis. In den folgenden Jahren trat sie in Sophokles’ Elektra unter Lydia Koniordou (1996), in Aristophanes’ Lysistrata (1997) und in Euripides’ Iphigenie in Aulis (2002) auf, außerdem in Alexandros Papadiamantis’ Η Φόνισσα (Die Mörderin), inszeniert von Sotiris Hatzakis am Politeia-Theater von 1998 bis 2000.
Seit 1996 führt sie auch Regie. 1999 übernahm sie die Leitung der Truppe Δρόμος με Δέντρα (Straße mit Bäumen), und von 2000 bis 2009 leitete sie gemeinsam mit anderen den Kunstraum Kratiras in Athen. 2010 begann sie, Baumstrasse zu leiten, einen unabhängigen Ort für Theater, Musik und Workshops im Athener Viertel Votanikos, und 2012 die Attische Schule für antikes Drama, die Seminare in Elefsina veranstaltet hat. Sie unterrichtete Schauspiel an der Schauspielschule des Nationaltheaters und gibt seit 2002 Unterricht in traditionellem griechischem Gesang. Im Ausland arbeitete sie mit der Princeton University, der Stockton University in New Jersey und der Brooklyn Academy of Music.
Werk
Als Sängerin bewegt sich Frintzila zwischen traditionellem Lied, Rebetiko und griechischem Kunstlied. Ihre früheste Aufnahme ist auf Vasilis Skoulas’ Album Αναστορούμαι (Ich erinnere mich, 1998). Ab 2003 trat sie mit dem Komponisten Thanasis Papakonstantinou auf und sang auf seinem Livealbum Τα ζωντανά (Die Lebendigen, 2004). Später gab sie Konzerte mit Maria Farantouri, Tania Tsanaklidou und Lena Platonos und teilte 2010 ein Liveprogramm mit Haris Alexiou. Sie ist Sängerin des Kubara Project, und zu ihren eigenen Alben gehören Η Μάρθα Φριντζήλα τραγουδά Θέμο Σκανδάμη (Martha Frintzila singt Themos Skandamis, 2011) und eine Liveaufnahme mit dem Pianisten Takis Farazis (2014).
Am Theater hat sie Euripides, Aischylos und Sophokles inszeniert, oft für Festivals mit Bezug zu Elefsina. Ihre Βάκχες (Die Bakchen) kamen 2013 beim Aischyleia-Festival in Elefsina und 2017 im antiken Stadion von Epidauros heraus, mit Musik von Vasilis Mantzoukis; sie führte Regie, spielte und sang. Im Januar 2021, als die Pandemie die Theater geschlossen hielt, übertrug das Nationaltheater ihre Μήδεια – Medea’s Son(g)s live von seiner neuen Forschungsbühne, in einer Übersetzung von Nikoletta Frintzila; sie inszenierte und spielte selbst die Medea. Der englische Untertitel spielt mit den Wörtern sons (Söhne) und songs (Lieder). Vor der Übertragung verglich sie Theater auf dem Bildschirm mit einer Hochzeit oder Taufe, die Verwandte nur an ihren Bildschirmen verfolgen.
Nachwirkung im heutigen Griechenland
Frintzilas Einfluss wirkt durch die Lehre ebenso wie durch die Bühne. Baumstrasse in Votanikos ist die Heimat ihrer Truppe Δρόμος με Δέντρα und bietet Workshops zu traditionellem Gesang, Stimme und antiker Tragödie sowie Konzerte anderer Musiker. Die Attische Schule für antikes Drama begann 2012 in Elefsina, der Stadt der antiken Mysterien, in der sie geboren wurde; heute finden ihre Seminare im Baumstrasse statt. Das digitale Archiv des Nationaltheaters, durchsuchbar über SearchCulture.gr, bewahrt die Besetzung und Karol Jareks Fotos ihrer Medea.
Eine Aufgabe für Lernende: Lesen Sie ihren griechischen Satz «αυτό είναι και το θέατρο: ένα μυστήριο που δεν υφίσταται χωρίς μάρτυρες» (das ist auch das Theater: ein Mysterium, das ohne Zeugen nicht existiert) zweimal laut, zuerst mit einer Pause am Doppelpunkt, dann in einem Zug, und notieren Sie, welches Wort jede Fassung betont.
Wussten Sie schon?
- 2007 widmete ihr die ARTE-Reihe Visages d’Europe einen Dokumentarfilm, Bienvenue chez Martha (Willkommen bei Martha), von Timon Koulmasis und Iro Siafliaki.
- Im Februar 2015 stellte sie an der Princeton University mit studentischen Musikern eine Auswahl griechischer Lieder mit dem Titel Α-Ω (Alpha bis Omega) vor.
- Der Livestream ihrer Medea 2021 bot wahlweise englische Untertitel, damit Zuschauer im Ausland eine griechische Tragödie auf Neugriechisch verfolgen konnten.
Hauptwerke
| Griechischer Titel | Titel | Jahr |
|---|---|---|
| Αναστορούμαι | Ich erinnere mich — auf Vasilis Skoulas’ Album | 1998 |
| Τα ζωντανά | Die Lebendigen — Livealbum von Thanasis Papakonstantinou | 2004 |
| Η Μάρθα Φριντζήλα τραγουδά Θέμο Σκανδάμη | Martha Frintzila singt Themos Skandamis | 2011 |
| Βάκχες | Die Bakchen — ihre Euripides-Inszenierung, Elefsina | 2013 |
| Μάρθα Φριντζήλα – Τάκης Φαραζής, ζωντανή ηχογράφηση | Martha Frintzila und Takis Farazis — Liveaufnahme | 2014 |
| Μήδεια – Medea’s Son(g)s | Medea — Medea’s Son(g)s, Livestream des Nationaltheaters | 2021 |
Ein Satz zum Merken
Γιατί, αυτό είναι και το θέατρο: ένα μυστήριο που δεν υφίσταται χωρίς μάρτυρες.
Giatí, aftó eínai kai to théatro: éna mystírio pou den yfístatai chorís mártyres.
Denn das ist auch das Theater: ein Mysterium, das ohne Zeugen nicht existiert.


























































