Leben
Xenakis wurde 1922 in Brăila geboren, einem Donauhafen in Rumänien mit einer wohlhabenden griechischen Gemeinde. Seine Mutter starb, als er ein Kind war, und mit zehn Jahren kam er in ein Internat auf der Insel Spetses, wo er die altgriechische Literatur, die Mathematik und die Musik entdeckte. 1940 begann er an der Polytechnischen Hochschule Athen Bauingenieurwesen zu studieren, doch zuerst kam der Krieg. Während der Besatzung schloss er sich dem linken Widerstand an, und in den Kämpfen, die im Dezember 1944 in Athen zwischen der Linken und der von Großbritannien gestützten Regierung ausbrachen, traf ihn um die Jahreswende 1945 ein Granatsplitter ins Gesicht. Er verlor sein linkes Auge und trug die Narbe sein Leben lang.
1947 schloss er sein Studium ab, doch als bekannter Linker in einem Land, das in den Bürgerkrieg abglitt, war er in Gefahr. Er verließ Griechenland heimlich in Richtung Paris und wurde in Abwesenheit verurteilt. In Paris fand er Arbeit als Ingenieur im Atelier von Le Corbusier, wo er bis 1959 blieb und selbst zum Architekten wurde. Zugleich studierte er Komposition und besuchte die Kurse von Olivier Messiaen; Messiaen riet ihm bekanntlich, nicht noch einmal mit der traditionellen Harmonielehre anzufangen, sondern seine Mathematik und seine Architektur in der Musik einzusetzen. 1965 nahm Xenakis die französische Staatsbürgerschaft an. Nach Griechenland konnte er erst nach dem Sturz der Diktatur 1974 zurückkehren, und von da an kam er oft. Er starb 2001 in Paris.
Werk

Xenakis' Musik beginnt dort, wo Architektur und Mathematik sich treffen. In Metastaseis (Μεταστάσεις, 1953–54), 1955 in Donaueschingen uraufgeführt, hat jeder der vielen Streicher eine eigene Stimme, und Dutzende Glissandi gleiten zusammen und bilden gewaltige gekrümmte Klangflächen; dieselben Regelflächen, die hyperbolischen Paraboloide, kehren in den Wänden des Philips-Pavillons wieder, den er für Le Corbusier auf der Brüsseler Weltausstellung 1958 entwarf. In Erinnerung an den Lärm der Menschenmengen und Schüsse im besetzten Athen fragte er, wie Tausende einzelner Ereignisse eine einzige Klangmasse bilden können, und antwortete mit den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit: In Pithoprakta (1955–56) formt die Statistik von Gasmolekülen die Bewegung des Orchesters. Er nannte dies stochastische Musik und erklärte sie in seinem Buch Musiques formelles (1963).
Sein Griechentum durchzieht alles, von den Titeln, fast alle griechisch, bis zu seiner Rückkehr zum antiken Drama. Seine Oresteia (1965–66) nach Aischylos, für Chöre und Ensemble, ist einer der Höhepunkte seines Schaffens, und er schrieb auch Musik zu weiteren antiken Tragödien. In den Polytopen vereinte er Licht, Architektur und Klang zu gewaltigen Spektakeln, von Montreal (1967) und Persepolis (1971) bis Mykene 1978, wo die antike Burg selbst zur Bühne wurde. Als Architekt entwarf er außerdem die wellenförmigen Glasfassaden von Le Corbusiers Kloster La Tourette.
Nachwirkung im heutigen Griechenland
In Griechenland ist Xenakis zum Symbol des Griechen geworden, der sein Land in die Avantgarde getragen hat: Der staatliche Rundfunk, Orchester und die großen Festivals führen seine Werke regelmäßig auf, und Jubiläen wie sein 100. Geburtstag 2022 brachten Konzerte und Ausstellungen. Seine Titel sind schon für sich eine Griechischlektion, Μεταστάσεις, Πιθοπράκτα, Ορέστεια, Πέρσεπολις, und die Herausforderung für Lernende besteht darin, sie zu entschlüsseln. Hören Sie Metastaseis einmal mit geschlossenen Augen und lesen Sie dann über den Philips-Pavillon; so versteht man am besten, wie ein einziger Geist zugleich Architekt und Komponist sein konnte. Seine Oresteia führt zudem direkt zurück zu Aischylos.
Wussten Sie schon?
- Er verlor sein linkes Auge, nachdem ihn in den Athener Kämpfen von 1944–45 ein Granatsplitter getroffen hatte.
- Dieselben gekrümmten Flächen erscheinen in der Partitur von Metastaseis und in den Wänden des Philips-Pavillons.
- Messiaen riet ihm, keine traditionelle Harmonielehre zu studieren, sondern mit seiner Mathematik zu komponieren.
- Sein Polytope von Mykene (1978) machte die antike Burg zu einer Bühne aus Licht und Klang.
Hauptwerke
| Griechischer Titel | Titel | Jahr |
|---|---|---|
| Μεταστάσεις (Metastaseis) | Metastaseis, für Orchester | 1953–1954 |
| Πιθοπράκτα (Pithoprakta) | Pithoprakta, für Orchester | 1955–1956 |
| Περίπτερο της Philips, Έκθεση των Βρυξελλών | Philips-Pavillon, Brüsseler Weltausstellung (mit Le Corbusier) | 1958 |
| Ορέστεια | Oresteia, nach Aischylos | 1965–1966 |
| Πολύτοπο των Μυκηνών | Polytope von Mykene | 1978 |
Aus dem Werk



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Ein Satz zum Merken
Μεταστάσεις
Metastaseis
Metastaseis: Verwandlungen, Bewegungen jenseits des Stillstands






















