Leben
Maria Mitsora (griechisch Μαρία Μήτσορα) wurde 1946 in Athen geboren. In einem Interview mit dem Athener Magazin LiFO bezeichnete sie sich 2013 als echte Athenerin: Sie kam in einer Entbindungsklinik in der Solonos-Straße zur Welt, wuchs in Nea Smyrni auf und lebt seit 1964 in Kolonaki. Sie studierte Soziologie in Paris, an der Sorbonne und in Vincennes, wo sie eine Arbeit über die Dynamik kleiner Gruppen einreichte. In Interviews erinnerte sie sich an das London der 1960er-Jahre und an Paris im Mai 1968.
Sie ist viel gereist, vom Polarkreis bis Haiti und von Peking bis ins sandinistische Nicaragua, an den Orinoco und nach Bogotá, und lernte Spanisch, um Lateinamerika besser kennenzulernen. Nach eigener Aussage begann sie nach ihrem dreißigsten Lebensjahr zu schreiben. Sie nennt sich eine „Underground“-Autorin jener Jahre, aber keine Beat-Autorin, und erwähnt einen Freundeskreis, zu dem der Maler Alexis Akrithakis und der Dichter Tasos Denegris gehörten; ihre Revolution sei vor allem ästhetisch gewesen und weitgehend eine Reaktion auf die Militärdiktatur. Ende der 1970er-Jahre arbeitete sie für die Zeitschrift Σήμα (Signal), die wegen „Verletzung des öffentlichen Schamgefühls“ vor Gericht kam, und übernahm im ersten Jahr der Zeitschrift Αμφί die presserechtliche Verantwortung, weil sonst niemand dazu bereit war.
Ihr erstes Buch, der Erzählband Άννα, να ένα άλλο (Anna, hier ist noch eins), erschien 1978. Im November 2025 veröffentlichte LiFO einen Text aus Ανθός ΜεταΝοήματος, einem entstehenden Buch, das Patakis für 2026 angekündigt hat.
Werk
Mitsoras Romane sind Σκόρπια δύναμη (Verstreute Kraft, 1982), Η περίληψη του κόσμου (Die Zusammenfassung der Welt, 1985), Ο ήλιος δύω (1997) und Καλός καιρός / μετακίνηση (Gutes Wetter / Ortswechsel, 2005). In der ersten Ausgabe von LiFO beschrieb der Schriftsteller Stathis Tsagarousianos ihre früheren Bücher als „denen gewidmet, die mit dem Mangel lebten“: hart, aphoristisch, im Stil von Rock und Punk. Er fügte hinzu, Σκόρπια δύναμη sei in den 1980er-Jahren für junge Menschen zu einem Evangelium geworden. Ο ήλιος δύω führt in die Welt des Heroins; der Titel verbindet ο ήλιος (die Sonne) mit δύω, der Verbform der ersten Person, statt des erwarteten ο ήλιος δύει (die Sonne geht unter). Mit Καλός καιρός / μετακίνηση wollte sie, wie sie ihm sagte, „etwas Positives schreiben“.
Ihre kürzere Prosa ist ebenso vielfältig. Με λένε λέξη (Ich heiße Wort, 2008) ist eine autobiografische Erzählung für die Patakis-Reihe Η κουζίνα του συγγραφέα (Die Küche des Schriftstellers). Από τη μέση και κάτω (Von der Mitte abwärts, 2014) versammelt Erzählungen aus Athen, eine davon in der Altstadt bei Monastiraki. Η κυρία Τασία και ο Γουλιέλμος Καταβάθος (Frau Tasia und Goulielmos Katavathos, 2021) baut poetische Prosa um einen in einem Garten verlorenen Hof. 2018 veröffentlichte Yale University Press sechzehn ihrer Erzählungen in der Übersetzung von Jacob Moe als On My Aunt’s Shallow Grave White Roses Have Already Bloomed; laut Verlag umfassen sie vierzig Jahre und führen von Athen in erfundene lateinamerikanische Städte und Science-Fiction-Welten.
Nachwirkung im heutigen Griechenland
Die meisten ihrer neueren Bücher erscheinen bei Patakis, der ihr Debüt von 1978 im Jahr 2007 neu auflegte, und die Yale-Übersetzung in der Reihe Margellos World Republic of Letters machte sie englischsprachigen Lesern bekannt. 2025 nannte LiFO sie eine stille, aber höchst bedeutende Präsenz der griechischen Literatur. Für eine Griechischübung gehen Sie von zwei ihrer Titel aus. Lesen Sie ο ήλιος δύει (die Sonne geht unter), dann Ο ήλιος δύω, und bestimmen Sie die Person jedes Verbs: erst die dritte, dann die erste. Sehen Sie sich dann Με λένε λέξη (Ich heiße Wort) an, wo das alltägliche με λένε… (ich heiße…) ein Wort statt eines Menschen vorstellt. Schreiben Sie zwei eigene Sätze in der ersten Person nach demselben Muster, zum Beispiel Με λένε Μαρία (Ich heiße Maria) und Με λένε βροχή (Ich heiße Regen). Das sind unsere eigenen Übungssätze, keine Zitate.
Wussten Sie schon?
- Ihr Romantitel Ο ήλιος δύω verbindet „die Sonne“ mit einem Verb in der ersten Person, wo man im Alltag ο ήλιος δύει sagt.
- Ihr autobiografisches Buch Με λένε λέξη spielt mit με λένε…, der Wendung, mit der man auf Griechisch seinen Namen nennt.
- Sie studierte Soziologie in Paris und schrieb eine Arbeit über die Dynamik kleiner Gruppen.
- Im ersten Jahr der Zeitschrift Αμφί übernahm sie die presserechtliche Verantwortung, weil, wie sie sich erinnert, sonst niemand wollte.
Hauptwerke
| Griechischer Titel | Titel | Jahr |
|---|---|---|
| Άννα, να ένα άλλο | Anna, hier ist noch eins | 1978 |
| Σκόρπια δύναμη | Verstreute Kraft | 1982 |
| Η περίληψη του κόσμου | Die Zusammenfassung der Welt | 1985 |
| Ο ήλιος δύω | Die Sonne, ich gehe unter | 1997 |
| Με λένε λέξη | Ich heiße Wort | 2008 |
| Από τη μέση και κάτω | Von der Mitte abwärts | 2014 |
Ein Satz zum Merken
Ναι, είμαι βέρα Αθηναία και η σύγχρονη αττική διάλεκτος είναι η γλώσσα της καρδιάς μου.
Nai, eímai véra Athinaía kai i sýnchroni attikí diálektos eínai i glóssa tis kardiás mou.
Ja, ich bin eine echte Athenerin, und der moderne attische Dialekt ist die Sprache meines Herzens.


























































