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Alexandros Papadiamantis
G. Chatzopoulos · Public domain · Wikimedia Commons

C1Neugriechenland · Romancier und Erzähler

Alexandros Papadiamantis

Αλέξανδρος Παπαδιαμάντης

1851 – 1911 · Skiathos; Athen

Alexandros Papadiamantis (1851–1911) verbrachte den größten Teil seines Lebens zwischen der Insel Skiathos und ärmlichen Zimmern in Athen, wo er in der Kirche sang und für Zeitungen übersetzte. Die Griechen nennen ihn den „Heiligen der griechischen Literatur“. Jeder kennt Η Φόνισσα (Die Mörderin), die Geschichte einer alten Frau, die kleine Mädchen tötet, um ihnen ein hartes Leben zu ersparen, und seine Weihnachtsgeschichten werden jeden Dezember neu gedruckt.

Leben

Alexandros Papadiamantis wurde am 4. März 1851 auf Skiathos, einer kleinen Insel der Sporaden, als Sohn eines Priesters geboren. Die Familie war arm, und seine Schulzeit verlief langsam und mit Unterbrechungen: Er lernte auf Skiathos und Skopelos, dann am Gymnasium von Chalkida, in Piräus und schließlich an der Varvakeio-Schule in Athen. 1872 verbrachte er mit einem Freund mehrere Monate auf dem Berg Athos, eine Erfahrung, die seine tiefe Bindung an den orthodoxen Gottesdienst prägte. Er schrieb sich an der Philosophischen Fakultät der Universität Athen ein, schloss das Studium aber nie ab.

Ab den 1880er-Jahren verdiente er in Athen ein karges Auskommen als Übersetzer und Autor für Zeitungen und Zeitschriften wie Εφημερίς und Ακρόπολις und übersetzte englische und französische Romane, darunter 1889 Dostojewskis Schuld und Sühne. Er heiratete nie, wohnte in Mietzimmern, kleidete sich ärmlich und sang in der kleinen Kapelle Agios Elisaios in der Plaka an der Seite seines Cousins, des Schriftstellers Alexandros Moraitidis. Seine Schüchternheit und Frömmigkeit brachten ihm den Spitznamen ο κοσμοκαλόγερος ein, der Mönch, der in der Welt lebt.

1908 kehrte er, von Alkohol und Armut zermürbt, endgültig nach Skiathos zurück. Dort starb er am 3. Januar 1911 an einer Lungenentzündung, im selben Haus, in dem er geboren worden war.

Werk

Papadiamantis begann mit historischen Romanen, die in Fortsetzungen erschienen: Η Μετανάστις (Die Auswanderin, 1879), Οι Έμποροι των Εθνών (Die Händler der Völker, 1882) und Η Γυφτοπούλα (Das Zigeunermädchen, 1884). Seine eigentliche Form war jedoch die Erzählung. Ab Το Χριστόψωμο (Das Weihnachtsbrot, 1887) schrieb er rund 170 davon, die meisten auf Skiathos angesiedelt: Fischer, Witwen, Hirten, alte Frauen, die jede Kapelle und jedes Kraut kennen, Kinder zu Ostern, Schiffe, die in Winterstürmen untergehen.

Das Meisterwerk ist Η Φόνισσα (Die Mörderin, 1903). Die alte Frangojannou kommt nach einem Leben im Dienst der Männer zu dem Schluss, dass Mädchen für arme Familien nichts als Elend bedeuten, und beginnt, Säuglinge zu töten, überzeugt, Gutes zu tun; die Geschichte endet damit, dass sie auf einem Felsen im Meer zwischen göttlicher und menschlicher Gerechtigkeit gefangen ist. Όνειρο στο κύμα (Traum auf der Welle, 1900) ist die Erinnerung eines jungen Hirten an ein Mädchen, das im Mondlicht badet; Το Μοιρολόγι της Φώκιας (Die Totenklage der Robbe, 1908) erzählt von einem ertrunkenen Kind, das von einer Robbe betrauert wird.

Seine Sprache ist ganz seine eigene: eine geschmeidige, musikalische Katharevousa für die Erzählung, Dimotiki und der Dialekt von Skiathos für die Dialoge, darunter der Rhythmus byzantinischer Hymnen. Natur, Armut und Glaube sind nie Dekoration; sie sind die ganze Welt der Geschichte.

Nachwirkung im heutigen Griechenland

Η Φόνισσα wird an griechischen Lyzeen gelesen und wurde mehrfach verfilmt, zuletzt 2023. Jedes Jahr zu Weihnachten und Ostern drucken Zeitungen und Websites seine Festgeschichten nach, und das Vorlesen von Το Χριστόψωμο oder Στο Χριστό στο Κάστρο ist für manche eine Familientradition. Auf Skiathos kann man das Papadiamantis-Haus besuchen, das kleine zweistöckige Haus, in dem er geboren wurde und starb und das heute ein Museum ist; auch der Flughafen der Insel trägt seinen Namen. Der griechische Staat erklärte 2011, ein Jahrhundert nach seinem Tod, zum Papadiamantis-Jahr. In den meisten griechischen Städten gibt es Straßen namens Παπαδιαμάντη, und sein Ausdruck ο κοσμοκαλόγερος wird noch heute für einen frommen Menschen verwendet, der schlicht in der Welt lebt.

Wussten Sie schon?

  • Das einzige bekannte Foto von ihm nahm 1906 der Schriftsteller Pavlos Nirvanas auf dem Dexameni-Platz in Athen auf; Papadiamantis soll nur widerwillig zugestimmt haben.
  • Er übersetzte Dostojewskis Schuld und Sühne 1889 für eine Zeitung ins Griechische, nach einer französischen Fassung, um seine Miete zu bezahlen.
  • Sein Cousin Alexandros Moraitidis war ebenfalls ein bekannter Schriftsteller und Kirchensänger; die beiden wurden „die zwei Alexander von Skiathos“ genannt.
  • Über Athen selbst schrieb er fast nichts; nahezu alle seine Geschichten kehren zu den Kapellen, Stränden und Olivenhainen von Skiathos zurück.

Hauptwerke

Griechischer TitelTitelJahr
Η ΜετανάστιςDie Auswanderin1879
Οι Έμποροι των ΕθνώνDie Händler der Völker1882
Το ΧριστόψωμοDas Weihnachtsbrot1887
Όνειρο στο κύμαTraum auf der Welle1900
Η ΦόνισσαDie Mörderin1903
Το Μοιρολόγι της ΦώκιαςDie Totenklage der Robbe1908

Ein Satz zum Merken

Σαν να 'χαν ποτέ τελειωμό / τα πάθια κι οι καημοί του κόσμου.

San na 'chan pote teleiomo / ta pathia ki oi kaimoi tou kosmou.

Als ob die Leiden und Kümmernisse der Welt / jemals ein Ende haben könnten.

Το Μοιρολόγι της Φώκιας (1908)

Im Original

Der Text, wie Alexandros Papadiamantis ihn geschrieben hat, gemeinfrei, mit unserer eigenen Übersetzung daneben.

«Το μοιρολόγι της φώκιας»Das Klagelied der Robbe

Das Ende der Erzählung: Die Enkelin der alten Loukaina ist unten an der Klippe ertrunken, ohne dass jemand sie hörte, und nur eine Robbe beklagt sie. Das abschließende Klagelied in schlichten Volksversen stellt den Tod des Kindes neben alles Leid der Welt.

Κ' η γολέτα εξηκολούθει ακόμη να βολταντζάρη εις τον λιμένα. Κι ο μικρός βοσκός εξηκολούθει να φυσά τον αυλόν του εις την σιγήν της νυκτός.Und der Schoner kreuzte noch immer im Hafen hin und her. Und der kleine Hirte blies noch immer seine Flöte in der Stille der Nacht.
Κ' η φώκη, καθώς είχεν έλθει έξω εις τα ρηχά, ηύρε το μικρόν πνιγμένον σώμα της πτωχής Ακριβούλας, και ήρχισε να το περιτριγυρίζη και να το μυρολογά, πριν αρχίση το εσπερινόν δείπνον της.Und die Robbe, die hinaus in das seichte Wasser gekommen war, fand den kleinen ertrunkenen Leib der armen Akrivoula, und sie begann ihn zu umkreisen und zu beklagen, ehe sie ihr Abendmahl begann.
Το μυρολόγι της φώκης, το οποίον μετέφρασεν εις ανθρώπινα λόγια εις γέρων ψαράς, εντριβής εις την άφωνον γλώσσαν των φωκών, έλεγε περίπου τα εξής:Das Klagelied der Robbe, das ein alter Fischer, kundig der stummen Sprache der Robben, in menschliche Worte übertrug, lautete ungefähr so:
Αυτή ήτον η Ακριβούλα η εγγόνα της γριά-Λούκαινας. Φύκια 'ναι τα στεφάνια της, κοχύλια τα προικιά της... Κ' η γριά ακόμα μοιρολογά τα γεννοβόλια της τα παλιά. Σαν νά 'χαν ποτέ τελειωμό τα πάθια κ' οι καημοί του κόσμου.Das war Akrivoula, die Enkelin der alten Loukaina. Seetang ist ihr Brautkranz, Muscheln sind ihre Mitgift... Und die Alte beweint noch immer die Kinder, die sie einst geboren hat. Als ob je ein Ende hätten die Leiden und Kümmernisse der Welt.

«Το μοιρολόγι της φώκιας» (1908), closing paragraphs and the lament · Gemeinfreier Text, Quelle: el.wikisource.org

C1

Über Alexandros Papadiamantis auf Griechisch lesen (C1)

Wörter aus dem Text

  • Priester
  • gemietet
  • Übersetzer
  • (in der Kirche) singen
  • Erzählung
  • Feldkapelle
  • Erzählung, Narration
  • endgültig

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