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A2Neugriechenland · Sänger, Lyraspieler

Nikos Xylouris

Νίκος Ξυλούρης

1936 – 1980 · Anogia (Kreta); Athen

Nikos Xylouris (Νίκος Ξυλούρης, 1936–1980), nach dem Spitznamen seiner Familie Ψαρονίκος (Psaronikos) genannt, war der kretische Lyraspieler und Sänger, der die Musik seines Bergdorfs Anogia in ganz Griechenland bekannt machte. In den 1970er-Jahren sang er die neuen Lieder von Yannis Markopoulos und die alten Rizitika Kretas, und als er im November 1973 den Studenten im besetzten Athener Polytechnikum «Πότε θα κάνει ξαστεριά» vorsang, wurde er zur Stimme einer Generation. Er starb mit 43 Jahren.

Leben

Xylouris wurde am 7. Juli 1936 in Anogia geboren, einem Hirtendorf hoch an den Hängen des Psiloritis in der Region Rethymno auf Kreta; im August 1944 brannten die Deutschen es als Vergeltung für die Entführung von General Kreipe vollständig nieder. Seine Familie trug den Spitznamen «Ψαροί» (die Grauen), weshalb er und seine Brüder als Psaronikos, Psarantonis und Psarogiannis bekannt sind. Schon als Junge begann er die dreisaitige kretische Lyra zu spielen, trat bei Hochzeiten und Festen auf und machte Ende der 1950er-Jahre in Heraklion seine ersten Aufnahmen.

1967 eröffnete er in Heraklion ein Musiklokal namens Ερωτόκριτος, und sein Ruf drang über die Insel hinaus. Der Wendepunkt kam 1969, als der Komponist Yannis Markopoulos, ebenfalls Kreter, ihn bat, Ανυφαντού (Die Weberin) zu singen; die Platte machte seine Stimme in Athen bekannt, und er zog dorthin. In den 1970er-Jahren sang er für Markopoulos, Stavros Xarchakos, Christos Leontis und andere und füllte Abend für Abend die Athener Musiklokale, während die Obristenjunta herrschte.

Im November 1973 ging er in das besetzte Polytechnikum und sang mit den Studenten hinter den Toren; die Fotos erschienen auf den Titelseiten, und das Regime verbot seine Konzerte und schloss das Lokal, in dem er auftrat. Nach dem Sturz der Junta stand er auf dem Höhepunkt seines Ruhms, als er an Krebs erkrankte. Er starb am 8. Februar 1980 in Piräus, 43 Jahre alt; die Schauspielerin Jenny Karezi hatte ihn «den Erzengel» genannt, und als «ο Αρχάγγελος της Κρήτης» (der Erzengel Kretas) sprechen die Griechen bis heute von ihm.

Werk

Xylouris sang zwei Arten von Musik und verband sie. Die erste war die Tradition Kretas: die ριζίτικα, langsame, unbegleitete Lieder der Bergdörfer «an den Wurzeln» der Weißen Berge, und die μαντινάδες, gereimte Zweizeiler, die zur Lyra improvisiert werden. Markopoulos' Album Ριζίτικα (1971) hielt diese alten Lieder mit seiner Stimme fest, darunter Πότε θα κάνει ξαστεριά (Wann wird der Himmel klar), ein Lied des Aufstands gegen die Türken, das in seinem Mund zu einem Lied gegen die Diktatur wurde. Das andere Lied, das er im Polytechnikum sang, Μπήκαν στην πόλη οι οχτροί (Die Feinde sind in die Stadt eingedrungen), ist ein Lied von Markopoulos aus denselben Jahren.

Die zweite Art war das neue «kunstvolkstümliche» Lied der 1970er-Jahre, in dem Komponisten Gedichte für Stimmen wie die seine vertonten. Für Markopoulos nahm er Χρονικό (Chronik, 1970), Ιθαγένεια (Staatsangehörigkeit, 1972) und Lieder wie Χίλια μύρια κύματα (Tausend und abertausend Wellen, um 1974) auf, ein Seemannslied, das heute am Ende von Feiern gesungen wird, wenn die Nacht traurig wird. Für Christos Leontis sang er den Ritsos-Zyklus Καπνισμένο τσουκάλι (Der verrußte Topf, 1975), und 1976 nahm er mit Tania Tsanaklidou lange Passagen des Versromans der kretischen Renaissance Ερωτόκριτος in der Vertonung von Christodoulos Chalaris auf, durch die viele Griechen das Gedicht zum ersten Mal hörten. Seine Stimme war hoch, rein und auf kretische Art leicht nasal, mit einer langen, ruhigen Linie und fast ohne Verzierungen; er sang, als sage er die Wahrheit, und deshalb klangen politische Lieder aus seinem Mund aufrichtig.

Nachwirkung im heutigen Griechenland

Hören Sie zuerst Πότε θα κάνει ξαστεριά, das noch heute bei Demonstrationen gesungen wird und jedes Jahr am 17. November, dem Jahrestag des Polytechnikum-Aufstands; dann Ανυφαντού, Χίλια μύρια κύματα und seinen Ερωτόκριτος. In Anogia, das von Schafen, Weberei und Musik lebt, ist sein mit einer Gedenktafel versehenes Haus ein Ort, den Menschen besuchen, und sein Bruder Psarantonis, sein Neffe Giorgis Xylouris (Psarogiorgis) und eine jüngere Generation der Xylourides führen die Tradition fort; in Griechenland steht schon der Familienname allein für kretische Musik. Straßen auf Kreta tragen seinen Namen, und seine Platten werden ständig neu aufgelegt. Für Lernende sind die Rizitika ein sanfter Einstieg in den kretischen Dialekt, weil die Verse kurz sind und sich wiederholen.

Wussten Sie schon?

  • Sein Spitzname Ψαρονίκος hat nichts mit Fisch (ψάρι) zu tun: Die Familie hieß «Ψαροί», die Grauhaarigen.
  • Anogia, sein Dorf, wurde im August 1944 von der deutschen Armee niedergebrannt; die Musiktradition, in der er aufwuchs, überlebte in einem wiederaufgebauten Dorf.
  • Er sang im November 1973 im besetzten Athener Polytechnikum, wenige Tage bevor Panzer die Tore durchbrachen.
  • Die Lyra, die er spielte, hat drei Saiten und wird aufrecht auf dem Knie gehalten und wie ein winziges Cello gestrichen.

Hauptwerke

Griechischer TitelTitelJahr
ΑνυφαντούDie Weberin (Lied, Musik von Yannis Markopoulos)1969
ΧρονικόChronik (Album mit Yannis Markopoulos)1970
ΡιζίτικαRizitika (traditionelle kretische Lieder, mit Markopoulos), darunter Pote tha kanei xasteria1971
Χίλια μύρια κύματαTausend und abertausend Wellen (Lied)c. 1974
Καπνισμένο τσουκάλιDer verrußte Topf (Christos Leontis nach Yannis Ritsos)1975
ΕρωτόκριτοςErotokritos (Vertonung des kretischen Versromans von Christodoulos Chalaris)1976

Ein Satz zum Merken

Πότε θα κάνει ξαστεριά, πότε θα φλεβαρίσει, / να πάρω το ντουφέκι μου, την όμορφη πατρόνα

Pote tha kanei xasteria, pote tha flevarisei, / na paro to doufeki mou, tin omorfi patrona

Wann wird der Himmel klar, wann kommt der Februar, / damit ich mein Gewehr nehme, meinen schönen Patronengurt

Πότε θα κάνει ξαστεριά, traditional Cretan rizitiko, recorded by Xylouris on Ριζίτικα (1971)
A2

Über Nikos Xylouris auf Griechisch lesen (A2)

Wörter aus dem Text

  • Berg
  • ich singe
  • Hochzeit
  • Komponist
  • Stimme
  • klar, sauber
  • Student (Universität)
  • Freiheit

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