Vier Schulen, vier Orte
Zwischen dem 4. und dem 3. Jahrhundert v. Chr. wurde Athen zur Stadt der Philosophie. Junge Männer kamen aus der ganzen griechischen Welt, um berühmte Lehrer zu hören. Vier dieser Lehrer gründeten Schulen, die Jahrhunderte bestanden.
Eine Schule war damals kein Gebäude mit Bänken und Pausenklingel. Sie war eine Gruppe von Menschen, ein Lehrer und seine Schüler, die sich am selben Ort trafen, um zu diskutieren, zu lesen und Fragen zu stellen. Darum wurde jede Schule nach dem Ort benannt, an dem sie sich traf:
- die Ἀκαδημία, ein Park mit Gymnasion, wo Platon lehrte;
- das Λύκειον, ein anderes Gymnasion, wo Aristoteles lehrte;
- die Στοά, eine überdachte Halle mit bemalten Wänden auf der Agora, wo Zenon lehrte;
- der Κῆπος, ein Garten, wo Epikur mit seinen Freunden lebte.
Die Namen dieser Orte sind bis heute griechische Wörter, und manche sind in viele andere Sprachen gewandert.
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Was bedeutet dieses Wort?
Platons Akademie
Die Akademie war ein schattiger Park etwa 1,5 Kilometer nordwestlich der Stadtmitte. Es gab dort ein Gymnasion, Laufbahnen, Altäre und Olivenbäume. Ihr Name kam von einem örtlichen Heros, Ἑκάδημος oder Akademos. Platon begann um 387 v. Chr. dort zu lehren, und er besaß in der Gegend auch einen kleinen Garten. Das Datum ist ungefähr: Kein antiker Text nennt das genaue Jahr.
Platon lehrte durch Fragen und Gespräche, so wie sein eigener Lehrer Sokrates. Mathematik war in der Schule sehr wichtig. Eine berühmte Geschichte erzählt, über der Tür habe gestanden: „Kein der Geometrie Unkundiger trete ein“. Doch diese Geschichte taucht erst etwa 750 Jahre nach Platon auf, und die meisten Historiker halten sie für erfunden.
Aristoteles kam mit etwa 17 Jahren an die Akademie und blieb rund zwanzig Jahre, bis Platon 347 v. Chr. starb. Wie lange die Schule selbst bestand, ist umstritten. Oft heißt es, sie habe von Platon bis zur Schließung durch Kaiser Justinian 529 n. Chr. bestanden. Historiker weisen aber darauf hin, dass Platons Schule offenbar um 86 v. Chr. endete, als der römische Feldherr Sulla Athen belagerte, und dass die späteren Platoniker Athens eine neue Schule bildeten.
Das Lykeion des Aristoteles: Philosophen beim Spaziergang
Das Lykeion war ein Gymnasion östlich der Stadtmauer, zwischen den Flüssen Ilissos und Eridanos. Es hatte seinen Namen von einem Heiligtum des Ἀπόλλων Λύκειος, Apollon Lykeios. Die Athener trainierten und trafen sich dort schon lange vor Aristoteles.
335 v. Chr. kehrte Aristoteles nach Athen zurück und gründete seine Schule im Lykeion. Nach Diogenes Laertios lehrte er, während er mit seinen Schülern im περίπατος, einem überdachten Wandelgang, auf und ab ging. Seine Anhänger hießen später Peripatetiker, περιπατητικοί. Die Forschung ist sich nicht sicher, ob der Name vom Wandelgang selbst oder von der Gewohnheit kommt, im Gehen zu unterrichten.
Das Lykeion war ein Ort der Forschung. Seine Mitglieder untersuchten Pflanzen, Tiere, das Wetter, Medizin, Politik und die Geschichte der Philosophie, und sie sammelten viele Bücher. Nach Aristoteles leitete sein Kollege Theophrast die Schule. 86 v. Chr. zerstörte Sullas Heer einen großen Teil des Lykeions.
1996 fand man bei Bauarbeiten im Zentrum Athens antike Mauern nahe der Rigillis-Straße. Die Ausgräberin deutete sie als Palästra des Lykeions. Die Stätte ist seit 2014 für Besucher geöffnet, aber noch nicht vollständig veröffentlicht.
Zenons Stoa und Epikurs Garten
Um 300 v. Chr. begann Zenon von Kition, ein Kaufmann aus Zypern, auf der Agora zu lehren, in der Ποικίλη Στοά, der Bunten Halle. Sie hieß so wegen ihrer Wandgemälde von Polygnot. Seine Zuhörer wurden Στωικοί genannt, Stoiker, die Leute von der Stoa. Die Stoiker lehrten, dass die ἀρετή, die Tugend, das einzige wahre Gut ist und dass der Weise im Einklang mit der Natur lebt und ruhig bleibt, was auch geschieht. Spätere Schulhäupter wie Kleanthes und Chrysipp machten die Schule berühmt, und Römer wie Seneca lasen sie noch Jahrhunderte später.
Epikur kehrte 307/306 v. Chr. nach Athen zurück und kaufte ein Haus mit Garten, den Κῆπος. Seine Freunde lebten dort mit ihm und aßen einfach. Für Epikur war das Ziel des Lebens die ἡδονή, die Lust, aber er meinte damit keine Feste. In seinem Brief an Menoikeus erklärt er, Lust bedeute, „im Körper keinen Schmerz und in der Seele keine Unruhe zu haben“. Diesen Seelenfrieden nannte er ἀταραξία. Freundschaft war ihm am wichtigsten, und er schrieb auch Briefe an Freundinnen wie Leontion und Themista.
Die beiden Schulen waren Rivalen, doch beide stellten dieselbe Frage: Wie kann ein Mensch glücklich leben?
Wichtige Daten
- c. 387 BCPlaton beginnt in der Akademie zu lehren, einem Park mit Gymnasion vor Athen.
- c. 367 BCAristoteles kommt mit etwa 17 Jahren zum Studium an die Akademie.
- 335 BCAristoteles gründet seine Schule im Lykeion.
- 307/306 BCEpikur kehrt nach Athen zurück und kauft das Haus und den Garten, in dem sich seine Schule trifft.
- c. 300 BCZenon von Kition beginnt in der Bunten Halle auf der Agora zu lehren.
- 86 BCSullas Heer belagert Athen; ein großer Teil des Lykeions wird zerstört, Bäume der Akademie werden gefällt.
- 529 ADEin Gesetz Justinians richtet sich gegen heidnische Lehrer; der Platoniker Damaskios verlässt später Athen.
- 1996Nahe der Rigillis-Straße in Athen werden Reste gefunden, die als Teil des Lykeions gedeutet werden.
Acht Wörter, damals und heute
| Altgriechisch | Griechisch heute | Bedeutung |
|---|---|---|
| Schule des Aristoteles (heute: Oberstufe) | ||
| Platons Schule; Akademie | ||
| Wandelgang (heute: Spaziergang) | ||
| stoisch; gelassen im Unglück | ||
| Garten | ||
| Tugend | ||
| Lust, Vergnügen | ||
| Seelenruhe |
Gymnasion und Palästra im antiken Griechenland
Die Agora von Athen
Schule und Erziehung im antiken Griechenland