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Alltag

Gymnasion und Palästra im antiken Griechenland

Im antiken Griechenland trainierten Männer und Jungen ihren Körper an zwei Arten von Orten. Die Palästra war eine Ringerschule mit einem Hof voller Sand. Das Gymnasion war viel größer, mit Platz zum Laufen und Werfen. Später kamen auch Philosophen dorthin, um zu diskutieren und zu lehren. Erfahre, wie sich Athleten ohne Seife sauber machten und warum griechische Schüler von 12 bis 15 Jahren heute noch ins Γυμνάσιο gehen.

Ein Ort zum Trainieren ohne Kleidung

Das Wort γυμνάσιον kommt von γυμνός, das heißt „nackt“. Das Verb γυμνάζω bedeutete zuerst „nackt trainieren“. Griechische Männer trieben wirklich ohne Kleidung Sport. Der Geschichtsschreiber Thukydides schrieb, dass die Spartaner mit diesem Brauch begonnen hatten. Vorher trugen sogar die Athleten bei den Olympischen Spielen einen Gürtel um die Hüften.

Ein Gymnasion brauchte viel Platz. Es hatte eine lange Laufbahn und freies Gelände zum Werfen des Diskus und des ἀκόντιον, des Speers. Um die Höfe standen überdachte Gänge mit Säulen, die Stoen. Dort konnten sich die Athleten im Schatten ausruhen oder bei Regen trainieren.

Athen hatte drei große Gymnasien, alle außerhalb der Stadtmauern: die Akademie, das Lykeion und das Kynosarges. Jedes war auch ein heiliger Ort, mit dem Heiligtum eines Gottes oder eines Helden.

Die Palästra: eine Schule für das Ringen

Die παλαίστρα war kleiner. Ihr Name kommt von πάλη, dem Ringen. Sie war ein quadratischer Hof voller Sand, rundherum mit Räumen und Säulenhallen. Hier übten Jungen und Männer Ringen, Boxen und Springen. Eine Palästra konnte zu einem Gymnasion gehören oder ein eigenes Gebäude in der Stadt sein.

Die Jungen lernten Sport bei einem Trainer, dem παιδοτρίβης. Die Trainer hatten einen langen Stab und zeigten damit auf einen falsch gehaltenen Arm oder ein falsches Bein. Manchmal bewegten sich die Athleten zur Musik einer Flöte, denn die Griechen mochten gleichmäßige, harmonische Bewegungen.

Die Palästra von Olympia kann man heute noch besichtigen. Sie wurde im 3. Jahrhundert v. Chr. gebaut. In ihrem Hof trainierten Ringer, Boxer und Springer, und die Säulenhallen dienten als Umkleideräume. Daneben liegt das Gymnasion von Olympia aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. Es war etwa 220 Meter lang, und dort trainierten vor den Spielen die Läufer, Diskus- und Speerwerfer.

Öl, Sand und eine Strigilis

Griechische Athleten rieben ihren Körper mit Olivenöl ein, dem ἔλαιον. Das Öl trugen sie in einem kleinen Fläschchen. Im sandigen Hof der Palästra klebten Staub und Schweiß bald an der öligen Haut.

Die Griechen hatten keine Seife. Darum nahm der Athlet nach dem Training ein gebogenes Werkzeug aus Metall, die στλεγγίς oder Strigilis. Er zog sie über Arme, Beine und Rücken, und das Öl ging zusammen mit Schmutz und Schweiß ab. Danach wusch er sich mit Wasser. Man hat viele Strigiles aus Bronze gefunden, und du kannst sie heute im Museum sehen.

Vasenmaler zeigten diese Momente gern. Auf Gefäßen und Trinkschalen sehen wir junge Athleten, die Öl ausgießen, ihre Haut abschaben oder ringen, während ein Trainer zuschaut. Diese Bilder helfen uns, den Alltag in der Palästra zu verstehen.

Sport und Lernen zusammen

Das Gymnasion war nicht nur für den Sport da. Männer jeden Alters trafen sich dort, um zuzuschauen, zu plaudern und Neuigkeiten zu hören. Im 5. Jahrhundert v. Chr. kamen Denker und Lehrer in die Gymnasien Athens, um mit jungen Männern zu sprechen. In einem Buch von Platon kommt Sokrates aus dem Krieg zurück und geht sofort in eine Palästra, weil er weiß, dass er dort seine Freunde trifft.

Im 4. Jahrhundert v. Chr. lehrte Platon in der Akademie und sein Schüler Aristoteles im Lykeion. Beide waren Gymnasien. Später konnte das Wort γυμνάσιον auch eine Schule bedeuten. In hellenistischer Zeit wurden im Gymnasion die ἔφηβοι ausgebildet, die jungen Männer der Stadt.

Viele Griechen glaubten, dass ein guter ἀθλητής seinen Geist genauso trainieren musste wie seinen Körper. Das ist ein Grund, warum die Namen Akademie, Lyzeum und Gymnasium heute noch in vielen Ländern für Schulen verwendet werden.

Wichtige Daten

  1. 5th c. BCDenker und Lehrer beginnen, junge Männer in den Gymnasien Athens zu treffen.
  2. 4th c. BCPlaton lehrt in der Akademie, einem Gymnasion außerhalb Athens.
  3. 335 BCAristoteles eröffnet seine Schule im Lykeion, einem anderen Gymnasion Athens.
  4. 3rd c. BCDie Palästra von Olympia wird für Ringer, Boxer und Springer gebaut.
  5. 229 BCKurz nach diesem Jahr werden zwei neue Gymnasien im Zentrum Athens gebaut.
  6. 2nd c. BCDas große Gymnasion von Olympia wird neben der Palästra gebaut.

Acht Wörter, damals und heute

AltgriechischGriechisch heuteBedeutung
Trainingsplatz (heute: Schule)
Ringerschule
Athlet
Trainer (heute: Sportlehrer)
Ringen
Speer
Strigilis, Ölschaber
Olivenöl (λάδι, von ἐλάδιον)
A2

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