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Alltag

Schule und Erziehung im antiken Griechenland

Im antiken Athen gab es keine staatlichen Schulen. Die Eltern bezahlten die Lehrer, deshalb gingen vor allem Jungen aus reichen Familien zum Unterricht. Sie lernten lesen und schreiben, singen und Leier spielen, laufen und ringen. Ein Sklave, der Pädagoge, begleitete sie dorthin. Finde heraus, wie ein Schultag aussah und warum das griechische Wort für Schule einmal freie Zeit bedeutete.

Drei Lehrer für einen Jungen

In Athen hatte ein Junge nicht nur einen Lehrer. Er hatte drei, und jeder διδάσκαλος (Lehrer) unterrichtete ein anderes Fach, oft an einem anderen Ort. Die Eltern wählten die Lehrer aus und bezahlten sie. Kein Gesetz zwang die Kinder, zur Schule zu gehen.

Der γραμματιστής lehrte die γράμματα, die Buchstaben. Der Schüler, der μαθητής, lernte lesen, schreiben und rechnen. Danach las er die Gedichte Homers und lernte lange Stücke auswendig. Die Gedichte lobten tapfere Helden, und die Jungen sollten so werden wie sie.

Der κιθαριστής lehrte Musik. In diesem μάθημα (Unterrichtsstunde) lernten die Jungen, die λύρα, die Leier, zu spielen und Lieder berühmter Dichter zu singen. Die Griechen glaubten, dass Rhythmus und Musik einen Menschen ruhig und anständig machen.

Der παιδοτρίβης war der Sportlehrer. Auf dem Ringplatz, der παλαίστρα (Palästra), liefen und sprangen die Jungen, warfen Diskus und Speer und rangen miteinander. Ein starker Körper gehörte zu einer guten Erziehung.

Wachstafeln und der Weg zur Schule

Jeden Morgen brachte ein Sklave den Jungen zum Unterricht. Er hieß παιδαγωγός, „der das Kind führt“. Er trug die Sachen des Jungen, achtete auf sein Benehmen und brachte ihn wieder nach Hause. Er war kein Lehrer, aber er blieb den ganzen Tag bei dem Jungen.

Zum Schreibenüben benutzten die Schüler eine Holztafel mit einer Wachsschicht. Mit einem spitzen Griffel ritzten sie die Buchstaben ins Wachs. Mit dem erwärmten flachen Ende strichen sie das Wachs wieder glatt, und die Tafel war wieder bereit. Bücher waren lange Rollen aus Papyrus, auf Griechisch βιβλίον genannt.

Über die Schulen in Athen wissen wir vieles von bemalten Gefäßen. Eine berühmte Trinkschale des Malers Duris, heute in einem Berliner Museum, zeigt Schulunterricht. Ein Lehrer spielt mit einem Schüler Leier. Ein anderer hält eine Buchrolle mit den ersten Worten eines Gedichts auf, während ein Junge es aufsagt. Ein dritter prüft die Schrift auf der Tafel eines Schülers. In der Ecke sitzt der Pädagoge und wartet.

Wer ging zur Schule?

Schule kostete Geld, deshalb lernten die Söhne reicher Familien am meisten. Der Philosoph Platon schrieb, dass die reichsten Jungen am frühesten mit der Schule anfingen und am längsten blieben. Viele arme Jungen mussten mit ihrem Vater auf dem Feld oder in einer Werkstatt arbeiten und lernten deshalb viel weniger.

Die meisten Mädchen gingen nicht zur Schule. Sie blieben zu Hause und lernten von ihrer Mutter, Wolle zu spinnen, Stoff zu weben und den Haushalt zu führen. In einem Buch des Schriftstellers Xenophon erzählt ein Mann, dass seine Frau bei der Hochzeit noch nicht fünfzehn war und sehr wenig von der Welt wusste.

In Sparta war es ganz anders. Dort holte der Staat jeden Jungen mit sieben Jahren aus seiner Familie. Die Jungen lebten in Gruppen zusammen und trainierten hart, um Soldaten zu werden. Sie lernten zu gehorchen, stark zu bleiben und Hunger und Kälte auszuhalten. Diese spartanische Erziehung heißt ἀγωγή (Agoge).

Von der freien Zeit zu den ersten Akademien

Das griechische Wort σχολή bedeutete zuerst freie Zeit oder Ruhe. Nur wer nicht den ganzen Tag arbeiten musste, hatte Zeit zum Lernen. Ein Berliner Museum erklärt die Schale des Duris so: Die Jungen lernten nicht für einen Beruf wie ihre bezahlten Lehrer. Sie lernten, damit sie als Erwachsene ihre freie Zeit gut nutzen konnten, mit Musik, Dichtung und guten Gesprächen. Später bedeutete σχολή auch einen Vortrag eines Lehrers und dann die Gruppe der Schüler, die zuhörten.

Nach dem Unterricht in der Kindheit wollten manche junge Männer mehr lernen. Im 5. Jahrhundert v. Chr. reisten Lehrer, die Sophisten, von Stadt zu Stadt und lehrten gegen Geld die Kunst der Rede. Im 4. Jahrhundert v. Chr. lehrte der Philosoph Platon in der Akademie, einem Park vor den Toren Athens. 335 v. Chr. eröffnete sein früherer Schüler Aristoteles seine eigene Schule, das Lykeion. Ihre Namen werden noch heute in vielen Sprachen für Schulen verwendet.

Wichtige Daten

  1. 500–476 BCDuris bemalt eine Trinkschale mit Szenen aus einer Schule in Athen.
  2. 5th c. BCSophisten reisen von Stadt zu Stadt und unterrichten junge Männer gegen Bezahlung.
  3. 4th c. BCPlaton lehrt in der Akademie und beschreibt die athenische Erziehung in seinem Protagoras.
  4. 335 BCAristoteles kehrt nach Athen zurück und gründet seine Schule, das Lykeion.
  5. 2nd c. ADDas Wort σχολεῖον, „Schule“, erscheint in den Lehrgesprächen Epiktets.

Acht Wörter, damals und heute

AltgriechischGriechisch heuteBedeutung
freie Zeit (heute: Fakultät)
Sklave, der Jungen begleitete
Lehrer
Buchstaben, Lesen und Schreiben
Schüler
Unterrichtsstunde
Buch (damals eine Rolle)
Leier
A2

Auf Griechisch lesen (A2)

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