
Ein heiliger Hain, wo zwei Flüsse zusammenfließen
Olympia liegt im Westen der Peloponnes, der großen Halbinsel im Süden Griechenlands. Es liegt in einem grünen Tal, wo zwei Flüsse zusammenfließen, der Alpheios und der Kladeos, unter einem kleinen Hügel namens Kronion. Die meisten antiken Stätten Griechenlands sind trocken und steinig, aber Olympia ist voller Bäume. Menschen lebten in diesem Tal schon lange bevor es Tempel gab, seit etwa 4000 v. Chr. Etwa ab dem 10. Jahrhundert v. Chr. wurde hier Zeus verehrt, der König der Götter.
Das Herz von Olympia war die Altis, der heilige Bezirk des Zeus. Ihr Name kommt von der örtlichen Form des Wortes ἄλσος, ein Hain: ein kleiner Wald. Einen solchen Ort nennt man Heiligtum, einen heiligen Platz, der einem Gott gehört. In der Altis standen Tempel, Statuen und kleine Gebäude voller wertvoller Geschenke. Nahe der Mitte lag der große βωμός, der Altar des Zeus, wo die Menschen dem Gott Opfer brachten. Alle vier Jahre kamen Griechen aus vielen Städten hierher, zum Fest des Zeus und zu den Olympischen Spielen.
Der große Zeustempel
Im Süden der Altis stand der ναός, der Tempel des Zeus. Entworfen hat ihn ein Architekt aus der nahen Stadt Elis namens Libon. Der Bau begann um 470 v. Chr., und um 456 v. Chr. war der Tempel fertig. Er war der größte Tempel der ganzen Peloponnes. Er war im dorischen Stil gebaut, mit 6 Säulen an jeder Schmalseite und 13 an jeder Langseite. Jede Säule war über 10 Meter hoch. Die Bauleute nahmen einen einheimischen Stein voller winziger Muscheln. Sie überzogen ihn mit weißem Putz aus Marmorstaub, damit er wie Marmor aussah.
Hoch oben an beiden Enden, im Dreieck unter dem Dach, dem Giebel, standen große Marmorstatuen. Der Ostgiebel zeigte ein Wagenrennen aus einem Mythos, zwischen dem Helden Pelops und König Oinomaos, mit Zeus in der Mitte. Der Westgiebel zeigte einen wilden Kampf zwischen den Lapithen und den Kentauren, Wesen halb Mensch, halb Pferd, mit dem Gott Apollon in der Mitte. Kleinere gemeißelte Platten, die Metopen, zeigten die zwölf Taten des Helden Herakles.
Die Zeusstatue, ein Weltwunder
Im Tempel thronte Olympias berühmtestes ἄγαλμα, also seine berühmteste Statue. Der Bildhauer Phidias aus Athen schuf sie um 430 v. Chr. Sie war etwa 12 Meter hoch, so hoch wie ein vierstöckiges Haus. Zeus saß auf einem Thron. In der rechten Hand hielt er eine kleine Figur der Nike, der Göttin der νίκη, des Sieges. In der linken Hand hielt er ein Zepter mit einem Adler darauf, und auf dem Kopf trug er einen Kranz aus Olivenzweigen. Die Statue war χρυσελεφάντινος, aus Gold und Elfenbein: Ein Holzgerüst war mit dünnen Platten bedeckt, aus Elfenbein für die Haut und aus Gold für Kleidung und Haare. Man zählte sie zu den Sieben Weltwundern.
Phidias arbeitete in einem ἐργαστήριον, einer Werkstatt, direkt westlich des Tempels. Sie war genauso groß gebaut wie der Innenraum des Tempels, damit er sehen konnte, wie die Statue wirken würde. Archäologen fanden in der Werkstatt und um sie herum Tonformen und Werkzeuge, sogar einen kleinen Becher mit dem Namen des Phidias. Später bauten Christen eine Kirche auf der Werkstatt, und ihre Mauern stehen noch heute.
Die Statue selbst ist verloren. Sie wurde nach Konstantinopel gebracht, und viele Historiker glauben, dass sie dort um 475 n. Chr. bei einem Brand zerstört wurde. Wie sie aussah, wissen wir von alten Münzen und von Pausanias, einem Reisenden, der sie im 2. Jahrhundert n. Chr. beschrieb.
Weitere Bauten, das Museum und Olympia heute
Olympia hatte viele weitere Bauten:
- Den Heratempel, um 600 v. Chr. gebaut, einer der ältesten griechischen Tempel dieser Art. Seine ersten Säulen waren aus Holz.
- Eine Reihe kleiner Schatzhäuser unter dem Kronion, in denen griechische Städte ihre Geschenke an den Gott aufbewahrten.
- Das runde Philippeion, das König Philipp II. von Makedonien nach seinem Sieg bei Chaironeia 338 v. Chr. bauen ließ.
- Die Palästra und das Gymnasion, wo Athleten trainierten, das Stadion und das Leonidaion, ein großes Gästehaus für wichtige Besucher.
Nach der Antike warfen σεισμοί, Erdbeben, die Säulen des Zeustempels um, und Überschwemmungen der Flüsse bedeckten die Ruinen mit Schlamm und Sand. Im 7. Jahrhundert n. Chr. hatten die Menschen den Ort verlassen. 1830 schenkte Griechenland Frankreich einige Metopen, die französische Gelehrte gefunden hatten; heute sind sie im Louvre in Paris. 1875 begannen deutsche Archäologen, das ganze Heiligtum auszugraben, und sie arbeiten hier noch immer, gemeinsam mit griechischen Archäologen.
Heute zeigt das Museum die Giebelfiguren und Metopen des Tempels, die fliegende Nike des Paionios aus der Zeit um 420 v. Chr. und eine Hermesstatue aus dem Heratempel, die meist Praxiteles zugeschrieben wird. Olympia ist seit 1989 UNESCO-Weltkulturerbe. 2007 verbrannten große Waldbrände die Hügel rundherum, aber die antiken Denkmäler blieben unbeschädigt.
Wichtige Daten
- 10th c. BCOlympia wird ein Zentrum der Verehrung des Zeus
- c. 600 BCDer Heratempel wird gebaut
- 470–456 BCDer Zeustempel wird gebaut
- c. 430 BCPhidias schafft die Zeusstatue aus Gold und Elfenbein
- c. 420 BCDie Nike des Paionios wird aufgestellt
- 338 BCPhilipp II. baut das runde Philippeion
- 1875Die deutschen Ausgrabungen im Heiligtum beginnen
- 1989Olympia wird UNESCO-Weltkulturerbe
Acht Wörter, damals und heute
| Altgriechisch | Griechisch heute | Bedeutung |
|---|---|---|
| Statue (zuerst: Freude, Geschenk) | ||
| Hain; heute ein Park | ||
| Tempel (heute auch Kirche) | ||
| Altar | ||
| Werkstatt; Labor | ||
| aus Gold und Elfenbein | ||
| Sieg (auch die Göttin Nike) | ||
| Erdbeben |