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Kriege und Wendepunkte

Die Schlacht bei den Thermopylen (480 v. Chr.)

Im Sommer 480 v. Chr. zog ein riesiges persisches Heer nach Griechenland. An einem engen Pass, den Thermopylen, hielt ein kleines griechisches Heer unter Leonidas, dem König von Sparta, es zwei Tage lang auf. Am Abend des zweiten Tages zeigte ein Einheimischer den Persern einen geheimen Pfad, und im Morgengrauen standen sie hinter den Griechen. Diese Seite erzählt die Geschichte, erklärt die berühmten Worte „μολὼν λαβέ“ und zeigt, wie die Thermopylen im heutigen Griechisch weiterleben.

Die „heißen Tore“

Die Thermopylen sind ein Ort in Mittelgriechenland. Ihr Name, Θερμοπύλαι, bedeutet „die heißen Tore“. Dort gibt es heiße Quellen: θερμός heißt heiß, und eine πύλη ist ein Tor. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot berichtet auch von einer alten Mauer mit einem Tor, die den Weg versperrte.

In der Antike war der Weg sehr schmal. Auf der einen Seite lagen steile Berge. Auf der anderen Seite lagen Sümpfe und das Meer. Herodot sagt, dass an manchen Stellen nur Platz für einen einzigen Wagen war. Einen so engen Durchgang nennt man τὰ στενά, „die Engstellen“. Die Griechen benutzen das Wort στενά noch heute, für einen Pass zwischen Bergen oder für eine schmale Meeresstraße zwischen zwei Küsten.

Ein großes Heer kann sich in einem engen Pass nicht ausbreiten. Nur wenige Soldaten können gleichzeitig kämpfen, deshalb kann ein kleines Heer ein viel größeres aufhalten. Auch die Reiter können den Gegner nicht umgehen. Darum wählten die Griechen die Thermopylen, um auf die Perser zu warten.

Drei Tage im Sommer 480 v. Chr.

480 v. Chr. fiel der persische König Xerxes mit einem riesigen Heer und einer großen Flotte in Griechenland ein. Herodot nennt Zahlen in Millionen, aber kein Land hätte so viele Menschen ernähren können. Heute schätzen Historiker, dass das persische Heer zwischen 70.000 und 300.000 Mann hatte. Über die genaue Zahl sind sie sich nicht einig.

Etwa 7.000 Griechen warteten an den Thermopylen. Ihr Anführer war Leonidas, einer der beiden Könige Spartas. Er hatte 300 spartanische Soldaten mitgebracht. Jeder von ihnen war ein Hoplit, ὁπλίτης: ein Fußsoldat mit Bronzehelm, langem Speer und großem rundem Schild, der ἀσπίς. Die Hopliten standen Schulter an Schulter in einer Phalanx, φάλαγξ, wie eine Mauer aus Schilden.

Zwei Tage lang griffen die Perser an und kamen nicht durch. Dann zeigte ein Grieche aus der Gegend, Ephialtes, dem Xerxes einen geheimen Bergpfad, die ἀτραπός von Anopaia. Jetzt konnten die Perser von hinten kommen. Leonidas schickte die meisten Griechen weg. Am dritten Tag blieb er mit seinen 300 Spartanern, 700 Männern aus Thespiai und 400 aus Theben. Herodot berichtet, dass die Thebaner sich ergaben, aber Leonidas, die Spartaner und die Thespier kämpften bis zum Ende. Danach zogen die Perser nach Süden und brannten Athen nieder.

Berühmte Worte aus der Schlacht

Die Spartaner waren für kurze, schlagfertige Antworten bekannt. Antike Schriftsteller erzählen mehrere Geschichten über die Thermopylen.

Die bekannteste steht bei Plutarch, einem griechischen Schriftsteller, der fast 600 Jahre nach der Schlacht lebte. Er schreibt, dass Xerxes an Leonidas schrieb: „Schick mir eure Waffen“, auf Griechisch τὰ ὅπλα. Leonidas antwortete mit nur zwei Wörtern: μολὼν λαβέ, „komm und hol sie dir“. Wir wissen nicht, ob Leonidas das wirklich gesagt hat. Herodot, der viel früher schrieb, erzählt diese Geschichte nicht.

Herodot erzählt eine andere. Ein Mann warnte, die Perser hätten so viele Bogenschützen, dass ihre Pfeile die Sonne verdunkeln würden. Ein Spartaner namens Dienekes antwortete: Gute Nachricht, dann kämpfen wir eben im Schatten!

Nach dem Krieg stellte man Steine mit kurzen Gedichten für die Toten auf. Herodot schreibt das Gedicht für die Spartaner ab: „Fremder, sag den Spartanern, dass wir hier liegen, ihren Befehlen gehorsam.“ Viele sagen, dass der Dichter Simonides es geschrieben hat, aber sicher wissen wir es nicht.

Die Thermopylen im heutigen Griechisch

Die Thermopylen leben in der griechischen Sprache weiter. Wenn Griechen „φυλάω Θερμοπύλες“ sagen, „ich bewache die Thermopylen“, meinen sie: Ich verteidige etwas Wichtiges mit aller Kraft, auch wenn es schwer ist. Der Dichter Konstantinos Kavafis schrieb ein berühmtes Gedicht mit dem Titel „Θερμοπύλες“. Es ehrt die Menschen, die im Leben ihre eigenen Thermopylen bewachen.

Auch der Name des Verräters lebt weiter. Im Neugriechischen kann man einen Menschen, der sein Land verrät, einen „Εφιάλτης“ nennen. Dasselbe Wort mit kleinem Anfangsbuchstaben, εφιάλτης, bedeutet Albtraum, ein sehr böser Traum.

Viele Wörter der Schlacht sind heute Alltagswörter. Ein Schild heißt ασπίδα, Waffen heißen όπλα, und ein οπλίτης ist ein einfacher Soldat ohne Dienstgrad in der griechischen Armee. Seit 1955 steht an den Thermopylen eine Bronzestatue des Leonidas mit Speer und Schild, und auf dem Denkmal kann man die Worte „ΜΟΛΩΝ ΛΑΒΕ“ lesen.

Wichtige Daten

  1. 480 BCXerxes fällt mit einem riesigen Heer und einer Flotte in Griechenland ein
  2. 480 BCSchlacht bei den Thermopylen: Die Griechen halten den Pass zwei Tage lang
  3. 480 BCDie griechische Flotte besiegt die Perser bei Salamis
  4. 479 BCDie Griechen siegen an Land bei Plataiai
  5. c. 440 BCDie Gebeine des Leonidas werden nach Sparta gebracht
  6. 1955An den Thermopylen wird eine Bronzestatue des Leonidas aufgestellt

Acht Wörter, damals und heute

AltgriechischGriechisch heuteBedeutung
die heißen Tore (der Pass)
enger Pass
Hoplit; heute einfacher Soldat
Schild
Phalanx (Schlachtreihe)
Waffen
Bergpfad (ατραπός: gehoben)
Verräter (nach Ephialtes)
A2

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