Warum 50 Wörter, und welche
Eine Liste von 50 Wörtern, die allen Schulkursen gemeinsam wäre, haben wir nicht gefunden. Gemeinsam ist den Programmen die Idee eines Grundwortschatzes. Der Leitfaden für Griego II aus Kastilien und León nennt Techniken zum Aufbau von „un vocabulario básico griego de frecuencia“. Die niederländischen SLO-Ziele für die Unterstufe des vwo erwarten, dass die Schüler ihre Griekse basiswoorden nutzen, um einen einfachen Text zu verstehen. Die Graecumskurse in Tübingen arbeiten mit einem Altgriechisch-Grundwortschatz, und ihre Prüfungstexte stammen von Platon und Xenophon. Die 50 Wörter unten sind also unsere eigene Auswahl.
Sie geht von der Häufigkeit aus. Wilfred Major schätzte, dass etwa 1.100 Lemmata 80 % eines typischen griechischen Textes ergeben, und das Greek Core Vocabulary von Christopher Francese (Dickinson College Commentaries) ordnet rund 500 Lemmata nach Häufigkeit. Diese Rangfolge allein gäbe eine schlechte erste Liste: Unter ihren ersten 50 Plätzen sind nur sechs Verben (εἰμί, λέγω, γίγνομαι, ἔχω, φημί, ποιέω) und nur zwei Substantive (λόγος, θεός). Vieles andere ist Grammatik: ὁ, καί, δέ, γάρ. Deshalb haben wir aus der ganzen Liste gewählt, zwischen den Rängen 3 und 395, mit Vorrang für Verben und Substantive, und jede moderne Form im neugriechischen Wörterbuch Triantafyllidis nachgeschlagen.
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Was bedeutet dieses Wort?
Zwanzig Wörter, die blieben
Das Wörterbuch leitet diese Wörter direkt aus dem Altgriechischen her. Die Schriftzeichen und der Klang unterscheiden sich: έχω klingt [éxo], θεός [θeós]. Der Pfeil führt vom Alten zum Modernen, in Klammern steht die heutige Bedeutung. Die Bedeutung kann wandern: καλός hieß zuerst schön, vortrefflich, und seine erste Bedeutung im heutigen Wörterbuch ist gut, gütig.
- Verben: ἔχω → έχω (haben), γράφω → γράφω (schreiben), ἀκούω → ακούω (hören), μένω → μένω (bleiben), ἔρχομαι → έρχομαι (kommen), ζάω → ζω (leben)
- Substantive: ἄνθρωπος → άνθρωπος (Mensch), θεός → θεός (Gott), λόγος → λόγος (Rede, Vernunft), πόλεμος → πόλεμος (Krieg), νόμος → νόμος (Gesetz), ψυχή → ψυχή (Seele), σῶμα → σώμα (Körper), ἡμέρα → ημέρα (Tag)
- Weitere: καλός → καλός (gut), κακός → κακός (schlecht), πολύς → πολύς (viel), ἄλλος → άλλος (anderer), καί → και (und), ἀλλά → αλλά (aber)
Eine Warnung außerhalb der Liste. παιδεύω ist ein Übungsverb auf Arbeitsblättern für Anfänger, etwa an der University of California in Santa Cruz. Es lebt im Griechischen weiter, aber seine erste moderne Bedeutung ist jemanden plagen: „μη με παιδεύεις άλλο“, quäl mich nicht länger.
Zwanzig Wörter in neuer Form
Das sind dieselben Wörter, umgeformt. Drei Gewohnheiten erklären viele davon. Manche Präsensformen wurden auf dem Aoriststamm neu gebildet: μαθαίνω auf ἔμαθον, πεθαίνω auf ἀπέθανον, δίνω auf δωσ-, λύνω auf λυσ-. Manche Substantive entstanden aus dem Akkusativ: ἄνδρα ergab άντρας, γυναῖκα ergab γυναίκα, πατέρα ergab πατέρας. Andere sind Verkleinerungsformen: παιδί aus παιδίον, χέρι aus χέριον. Xenophons Anabasis beginnt mit παῖδες δύο; im heutigen Griechisch heißt das δύο παιδιά. Am stärksten änderten sich die kleinen Wörter: δεν kommt vom Neutrum οὐδέν, σε von εἰς und για von διά.
- Verben: λέγω → λέω (sagen), εἰμί → είμαι (sein), φέρω → φέρνω (bringen), δίδωμι → δίνω (geben), μανθάνω → μαθαίνω (lernen), εὑρίσκω → βρίσκω (finden), πίπτω → πέφτω (fallen), λύω → λύνω (lösen), ἀποθνῄσκω → πεθαίνω (sterben)
- Substantive und Adjektive: ἀνήρ → άντρας (Mann), γυνή → γυναίκα (Frau), πατήρ → πατέρας (Vater), παῖς → παιδί (Kind), χείρ → χέρι (Hand), βασιλεύς → βασιλιάς (König), πόλις → πόλη (Stadt), μέγας → μεγάλος (groß)
- Kleine Wörter: οὐδέν → δεν (nicht), εἰς → σε (in, zu), διά → για (für)
Zehn Wörter, die Platz machten
Hier ist das heutige Alltagswort ein anderes Wort, das an die Stelle des alten trat und nicht von ihm abstammt. Lerne jedes Paar zusammen. Der Anfang von Platons Apologie (17a) enthält οὐκ οἶδα; ein Grieche sagt heute δεν ξέρω, und ξέρω stammt nicht von οἶδα ab.
- ὁράω: heute βλέπω, ebenfalls ein altes Verb. Doch die Vergangenheit είδα setzt εἶδον fort, und όραση setzt ὅρασις fort.
- ποιέω: heute κάνω, von κάμνω, „herstellen, arbeiten“. ποίημα (Gedicht) bleibt.
- οἶδα: heute ξέρω, von ἐξεῦρον, dem Aorist von ἐξευρίσκω, „herausfinden“.
- λαμβάνω: heute παίρνω, von ἐπαίρω, „heben“. λαμβάνω bleibt im formellen Griechisch.
- βούλομαι: heute θέλω, eine Nebenform von ἐθέλω. βούληση (Wille) bleibt.
- ὕδωρ: heute νερό, von νηρὸν ὕδωρ, „frisches Wasser“.
- ναῦς: heute πλοίο, von einem anderen alten Wort, πλοῖον. ναύτης (Seemann) bleibt.
- οἶκος: heute σπίτι, vom hellenistischen ὁσπίτιον (aus lateinisch hospitium). οίκος bleibt im formellen Griechisch.
- ἵππος: heute άλογο, vom hellenistischen ἄλογον, „das Vernunftlose“.
- ἀγαθός: Das Alltagswort für gut ist jetzt καλός. αγαθός meint jemanden, der sanft und harmlos ist.
Acht Wörter, damals und heute
| Altgriechisch | Griechisch heute | Bedeutung |
|---|---|---|
| sagen | ||
| haben | ||
| sehen (ersetzte ὁράω) | ||
| schreiben | ||
| finden | ||
| lernen | ||
| Mensch | ||
| Frau |
Ich lerne Altgriechisch: Wie schwer ist Neugriechisch?