Ktesibios und die Wasseruhr
Im 3. Jahrhundert v. Chr. wurde die Stadt Alexandria in Ägypten von griechischen Königen regiert. Gelehrte und Ingenieure kamen dorthin, um zu arbeiten. Einer von ihnen war Ktesibios. Der römische Schriftsteller Vitruv erzählt, dass er der Sohn eines Barbiers war. Die Bücher des Ktesibios sind verloren, deshalb kennen wir seine Arbeit nur von späteren Autoren.
Ktesibios hat nicht die erste Wasseruhr erfunden. In den Gerichten von Athen maß ein Tongefäß mit einem kleinen Loch nahe am Boden die Zeit für jede Rede: Wenn das Wasser ausgelaufen war, musste der Redner aufhören. Die Griechen nannten es κλεψύδρα, die „Wasserdiebin“. Ein solches Gefäß aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. steht im Agora-Museum in Athen. Ktesibios baute eine viel bessere Uhr. Das Wasser tropfte gleichmäßig hinein, ein Schwimmer stieg langsam nach oben, und eine kleine Figur zeigte auf die Stunden.
Vitruv berichtet auch, dass Ktesibios die erste Wasserorgel baute und eine Maschine, die Wasser hoch hinaufhob. Heute heißt eine Pumpe auf Griechisch αντλία, am Brunnen genauso wie an der Tankstelle.
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Was bedeutet dieses Wort?
Heron und die Türen, die sich von selbst öffneten
Heron lebte ebenfalls in Alexandria, aber viel später, im 1. Jahrhundert n. Chr. In einem seiner Bücher erwähnt er eine Finsternis. Fachleute haben sie einer Finsternis zugeordnet, die man im Jahr 62 n. Chr. in Alexandria sah. So können wir Heron datieren. Er selbst schreibt, dass er die Entdeckungen älterer Ingenieure gesammelt und eigene hinzugefügt hat.
In seinem Buch Pneumatika beschreibt er Dutzende Geräte, die mit Luft, Wasser oder Dampf arbeiten. Hier sind drei davon:
- ein Gefäß für einen Tempel: Man warf eine Münze von fünf Drachmen hinein, und es floss ein wenig Wasser zum Waschen heraus;
- Tempeltüren, die sich von selbst öffneten, wenn auf dem Altar ein Feuer angezündet wurde;
- eine Metallkugel, die sich immer im Kreis drehte, wenn darunter Wasser kochte. Sie wurde vom Dampf angetrieben, auf Griechisch ἀτμός.
War die drehende Kugel die erste Dampfmaschine? Nicht wirklich. Sie leistete keine nützliche Arbeit. Sie war ein schlaues Spielzeug, das die Kraft des Dampfes zeigte. Heron schrieb auch über ein kleines Theater mit Puppen, die sich von selbst bewegten.
Archimedes: Schraube, Hebel und Flaschenzug
Archimedes lebte von 287 bis 212 v. Chr. in Syrakus, einer griechischen Stadt auf Sizilien. Er war ein großer Mathematiker. Der Geschichtsschreiber Diodor schreibt, dass er auf einer Reise nach Ägypten die „ägyptische Schraube“ erfand. Das ist eine große Schraube in einer Röhre: Wenn man sie dreht, steigt das Wasser nach oben. Bauern bewässerten damit ihre Felder am Nil, und Bergleute in Spanien holten damit Wasser aus den Bergwerken. Manche Historiker glauben, dass es eine ähnliche Schraube schon früher in Assyrien gab, aber andere sind anderer Meinung. Das griechische Wort dafür ist κοχλίας. Zuerst bedeutete es Schnecke, weil ein Schneckenhaus die Form einer Spirale hat.
Archimedes hat den Hebel, den μοχλός, nicht erfunden, aber er erklärte die Regel, nach der er funktioniert. Der Schriftsteller Plutarch erzählt eine berühmte Geschichte. Archimedes sagte, mit genug Kraft könne er jedes Gewicht bewegen. Um es zu beweisen, setzte er sich weit weg und zog mit einem Flaschenzug, mit τροχαλίες, ein schweres Schiff mit einer Hand zu sich heran. Plutarch schrieb das mehr als 300 Jahre später auf, deshalb können wir nicht bei jeder Einzelheit sicher sein.
Geschichte oder Legende?
Manche Geschichten über griechische Erfindungen sind Legenden. In Homers Ilias baut der Gott Hephaistos Dreifüße mit goldenen Rädern. Sie rollen von selbst, αὐτόματοι, zur Versammlung der Götter und wieder zurück. Das ist ein Gedicht und keine echte Maschine, aber es zeigt, dass die Griechen schon sehr früh von Dingen träumten, die sich selbst bewegen.
Der berühmte Ruf εὕρηκα, „Ich hab’s gefunden!“, ist eine andere Geschichte. Vitruv, der etwa 200 Jahre nach Archimedes schrieb, erzählt, dass Archimedes aus dem Bad sprang und rufend nach Hause lief, weil er ein Rätsel um eine goldene Krone gelöst hatte. Niemand weiß, ob das wirklich passiert ist. Aber die Griechen rufen immer noch εύρηκα!, wenn sie eine Antwort finden.
Andere Dinge sind gut belegt. Der Geograf Strabon berichtet, dass Sostratos von Knidos auf der Insel Pharos bei Alexandria einen hohen Turm errichten ließ, um die Seeleute zu schützen. Der Name der Insel wurde zum griechischen Wort für jeden Leuchtturm: φάρος.
Wichtige Daten
- 5th c. BCIn den Gerichten Athens misst eine κλεψύδρα aus Ton die Redezeit.
- 287–212 BCLeben des Archimedes in Syrakus auf Sizilien.
- 3rd c. BCKtesibios arbeitet in Alexandria, und der Turm auf Pharos wird gebaut.
- 1st c. BCVitruv schreibt über Ktesibios und erzählt die „Heureka“-Geschichte.
- 62 ADEine Finsternis ist in Alexandria zu sehen; sie hilft uns, Heron zu datieren.
Acht Wörter, damals und heute
| Altgriechisch | Griechisch heute | Bedeutung |
|---|---|---|
| Wasseruhr; heute Sanduhr | ||
| Pumpe (früher: Bilgewasser) | ||
| Dampf | ||
| Schraube (zuerst: Schnecke) | ||
| Hebel | ||
| Rolle, Flaschenzug | ||
| Leuchtturm | ||
| Ich hab’s gefunden! |
Der Mechanismus von Antikythera
Die Bibliothek von Alexandria